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Algenkosmetik: Anti-Aging für die Haut

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Algen kommen in der Kosmetik immer häufiger zum Einsatz. Wieso die Pflanzen aus dem Meer so wertvoll für unsere Haut sind und wie du deine eigene Algenkosmetik herstellst, liest du hier.

Zufrieden schaut die Meeresbiologin Dr. Inez Linke durch die Glasscheibe des beleuchteten Wasserbeckens vor ihr. Pumpen durchmischen das Becken mit Luft und lassen das Wasser blubbern. An Kunststoffleinen befestigt wachsen in den Becken Braunalgen – genannt „Laminaria saccharina“ – auch bekannt als „Zuckertang“. Die Anlage steht im Labor der Firma „Coastal, Research & Management“ (CRM) in Kiel. Zwischen November und Januar werden die jungen Pflanzen hier im Labor angezüchtet und auf das Meer vorbereitet. Innerhalb weniger Wochen, wenn sich die Algen fest an die Leinen angeheftet haben, wird Inez Linke sie gemeinsam mit ihrem Team in der Kieler Förde aussetzen.

Aus den Algen werden Cremes, Öle und Peelings

Dort hat die 58-jährige Meeresbiologin vor rund 20 Jahren die erste biozertifizierte Algenfarm der Förde gegründet. Endlos lange Reihen von Bojen ragen parallel zum Ufer verlaufend aus dem Wasser. In acht Metern Tiefe befestigen Taucher:innen die Algen aus dem Labor in den kalten Monaten des Jahres an Stahlstangen. Dann ist das Meerwasser besonders nährstoffreich und die Pflanzen wachsen. „Algen sind die Regenwälder unserer Meere“, sagt Inez Linke. Genau wie Wälder, stellen sie mithilfe von Fotosynthese Sauerstoff her. Wissenschaftler:innen gehen sogar davon aus, dass rund jedes zweite Sauerstoffmolekül in der Atmosphäre von Algen gebildet wird.

Doch mit Zuckertang hat Inez Linke viel mehr vor: Nach der Ernte im Frühjahr verarbeitet die von Inez Linke gegründete Firma  oceanBASIC sie zu Kosmetik – zum Beispiel zu Cremes für die Gesichtspflege, Peelings für die Haut, Öle oder Anti-Falten-Cremes. In Zusammenarbeit mit CRM entwickelt sie seitdem Produkte auf Basis der Meerespflanzen und erforscht deren Wirkstoffe. „Die Inhaltsstoffe von Algen wie Mineralien, Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren, Algenzucker und Polyphenole besitzen ein enormes Potenzial für die Gesundheit“, erklärt Linke.

Algen gelten als die Regenwälder unserer Meere.
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Algen breiten sich in unserem Ozeanen wie dichte Wälder aus.

Algenkosmetik: Die optimale Pflege für unsere Haut

Genau deshalb haben Algen in der Kosmetik einen wahren Siegeszug hingelegt. Sie nehmen die Mineralstoffe und Spurenelemente direkt aus dem Meer auf und speichern sie in hoher Konzentration. So befinden sich in einem Kilo getrockneter Algen die Wirkstoffe von geschätzt 100.000 Litern Meereswasser. Dadurch besitzen sie eine ganze Reihe von Eigenschaften, die für eine schöne Haut sorgen – und bilden die optimale Basis für Kosmetikprodukte: Die große Menge an Eiweißen in Algen wirkt hautstraffend. Außerdem versorgen sie die Haut mit Feuchtigkeit. Die enthaltenen Vitamine schützen vor Umwelteinflüssen. Spurenelemente wie Jod helfen gegen Cellulite. Algenkosmetik hilft außerdem, die Talgproduktion der Haut zu regulieren – perfekt für Menschen mit unreinem oder fettigem Hauttyp. Und: Weil Algen einen ähnlichen pH-Wert wie unsere Haut haben, können wir all diese Wirkstoffe besonders gut aufnehmen und die Nährstoffe gelangen in hoher Konzentration direkt ins Innere unserer Zellen. „Algen sind wie ein Schutzschild gegen schädliche Einflüsse“, fasst Inez Linke zusammen und fährt fort: „Sie können Feuchtigkeit gut binden, wirken entzündungshemmend und aktivieren die Zellerneuerung.“

Algenkosmetik: Mit Hefepilzen und Meerwasser

Um aus ihren Algen Kosmetik herzustellen, mahlt Inez Linke die Ernte aus der Ostsee zunächst schonend mit Wasser und versetzt sie anschließend mit speziellen Hefen. Diese sorgen dafür, dass die Algen frisch bleiben. Gleichzeitig setzen die Hefepilze die Algenwirkstoffe und die Spurenelemente aus den Zellwänden frei. Innerhalb von sechs Wochen entsteht so ein intensiver Algen-Extrakt. Diesen rührt sie mit weiteren Inhaltsstoffen pflanzlichen Ursprungs wie Aloe Vera, Jojobaöl oder Sheabutter zur fertigen Algenkosmetik an. Eine Zutat, die nicht fehlen darf: Meerwasser aus der Ostsee. Über spezielle Filter wird das Wasser von Bakterien und Mikroplastik befreit. Zurück bleiben die positiven Wirkstoffe für die Hautpflege. Allen voran das enthaltene Meersalz, das unter anderem den Feuchtigkeitsgehalt der Haut verbessert.

Eine Seife aus Algen.
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Auf Basis von Algen entsteht eine Vielzahl von Kosmetikprodukten – zum Beispiel Seifen oder Shampoos.

Algenkosmetik wird mit Wirkstoffen aus dem Meer produziert.
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In vielen Kosmetikprodukten aus Algen ist auch Meereswasser enthalten.

Algenkosmetik für gesunde Haut selbst machen

Du willst die Wirkung der Ozeanpflanzen zuhause testen? Dann verwöhne dein Gesicht mit einer Maske auf Basis von Algen. Mithilfe von Algenpulver, das du im Reformhaus oder Biomarkt kaufen kannst, stellst du dir deine Algenmaske ganz einfach selbst her. Drei Rezepte zum Ausprobieren:

Rezept 1 – Maske mit Heilerde

Vermische zwei Esslöffel Heilerde, einen Esslöffel Algenpulver, einen Teelöffel kaltgepresstes Öl und etwas Wasser zu einer cremigen Masse. Trage die Maske auf dein Gesicht auf und lasse sie für 20 Minuten einwirken, ehe du sie abspülst.

Rezept 2 – Maske mit Avocado

Vermische zwei Esslöffel einer reifen Avocado und zwei Esslöffel Algenpulver zu einer Creme. Trage sie auf dein Gesicht auf und wasche sie nach rund 20 Minuten wieder ab. Gerade für trockene Haut ist diese Gesichtspflege hilfreich.

Rezept 3 – Maske mit Olivenöl

Vermische zwei Esslöffel Olivenöl, vier Esslöffel Algenpulver und etwas Wasser zu einer Masse. Wenn du möchtest, kannst du auch noch ein paar Tropfen ätherisches Öl dazu geben. Lasse die Creme 45 Minuten einwirken und spüle sie anschließend ab.

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