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Upcycling: Möbel aus Sägespänen

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Um dem Trend der Fast Furniture ein Ende zu setzen, entwickelten zwei Münchner ein einzigartiges Material: Neolign – die Press-Spanplatte für die Ewigkeit.

Egal, ob Antiquität oder Omas Vollholz-Küchenbuffet: Vor hundert Jahren wurden Möbel gebaut, die Generationen überdauern sollten. Bei den heute in Massenproduktion hergestellten Möbelstücken kann man dagegen froh sein, wenn sie den nächsten Umzug überleben. Tatsächlich werden Möbel heutzutage zum Großteil so produziert, dass sie nach ein bis maximal fünf Jahren auf dem Sperrmüll landen. Die sogenannte Fast Furniture ist kostengünstig, leicht verfügbar und für den neuesten Wohn-Trend designt. Der Holzhunger der Industrie lässt sich nur durch illegale Abholzungen stillen, die Bindemittel bei der Herstellung von Press-Span belasten Umwelt und Gesundheit.

Upcycling-Möbel aus Holzspänen

Gegen den Trend zu „Einweg-Möbeln“ arbeitet das Münchener Unternehmen WYE. „Der Name angelehnt an die bedeutende Frage nach dem Warum (=Why), die am Anfang von allem Neuen steht“, so die Gründer. „In unserem Fall entsprach die Antwort der Verantwortung, achtsam mit unseren Ressourcen umzugehen und schnellem Konsum vorzubeugen. Unser Anfang von allem Neuen heißt also Neolign“. Franziskus Wozniak und Ferdinand Kraemer entwickelten das einzigartige Material während ihres Studiums, „aus unseren verwinkelten WG-Zimmern heraus entstand die Idee dieses kreislauffähigen Werkstoffes aus Holzspänen, der wiederverwertet werden kann“. Heute verkaufen sie als Unternehmer Bänke, Tische, Sideboards oder Schneidebretter aus Neolign in ihrem Online-Shop.

WYE-Gründer
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Die WYE-Gründer Ferdinand Krämer (re.) und Franziskus Wozniak (li.).

Büromöbel aus Sägespäne
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Vom Schreibtisch über den Büro-Stuhl: Alles ist aus Sägespäne.

Upcycling: Stiftablagen aus Sägespäne
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Upcycling mal anders: Stabile Stiftablagen aus Sägespäne.

Upcycling: Tisch aus Sägespäne
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Beistelltische, Hocker und Co: Der Werkstoff kann fast alles formen.

Upcycling: Tische aus Sägespäne
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Minimalistisch gehaltener Hocker aus nachhaltigen Rohstoffen.

Upcycling: Beistelltisch aus Sägespäne
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Die WYE-Beistelltische lassen sich gut in Szene setzen.

Upcycling: Ein neuer Werkstoff aus Sägespänen

Obwohl Neolign zu 83 Prozent aus Holzspänen besteht, wird dafür kein neuer Baum gefällt, denn „unsere Produkte werden durch Upcycling von Nebenprodukten der Holzverarbeitungsindustrie hergestellt. So vermeiden wir Verschwendung und schonen natürliche Ressourcen“. Neben Sägespänen kommen noch Polymere in die Mischung – Kunststoff, der für die Festigkeit und Stabilität der Neolign-Platten sorgt. „Im Gegensatz zur vielen furnierten Werkstoffen und Spanplatten ist Neolign frei von Weichmachern, PVC und Formaldehyd. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für dich, im engeren Zusammenleben mit deinen Möbelstücken.“ Die Verwendung von Kunststoff ist für die Münchner Unternehmer nicht problematisch, da sie dafür sorgen, dass die Platten im Sinne der Kreislaufwirtschaft bedingungslos recycelt werden: Wenn man sein WYE-Möbelstück ersetzten möchte, kann man es ganz einfach direkt oder an den Händler zurückschicken. Dafür bekommt man eine Gutschrift für ein neues WYE-Produkt. Die eingeschickte Platte wird granuliert und damit zum Rohstoff für neue Möbel. „Unsere Idee der Circular Community entspricht einer wertschöpfenden Gemeinschaft, in der Rohstoffe, auch in Form verarbeiteter Produkte, wertvoll bleiben und in neue monetäre Werte umgewandelt werden können“, erklären die Gründer.

Die dritte und letzte Zutat des Neolign-Werkstoffs bilden Farben, die mit den Spänen und Polymeren vermengt werden. Das sorgt für eine vollständige Durchfärbung der Platten – ein riesiger Vorteil, wenn es ums Reparieren geht: Kratzer und Flecken sind kein Grund mehr, ein Möbelstück zu entsorgen, denn sie lassen sich einfach rausschleifen und das WYE-Piece erstrahlt in neuem Glanz. Für den Outdoorgebrauch reicht eine Schicht Imprägnierung, um Wasserflecken zu vermeiden.

Die langlebige Neolign-Mischung verbindet die besten Eigenschaften von Holz und Kunststoff. „Es riecht nach Holz, ist formbar wie Kunststoff, frei von Emissionen und Schadstoffen“ und noch dazu zu 100 Prozent recyclebar. Was will man mehr? Viel besser scheint es nicht zu gehen, denn das junge Unternehmen hat bereits zahlreiche Preise für Nachhaltigkeit und Design erhalten.

In Zukunft will das Münchener Unternehmer-Duo den Holzwerkstoff auf weitere Lebensbereiche ausweiten: Ob als Boden, in (Outdoor-)Küchen oder als Fassade, WYE will möglichst vielen Menschen die Möglichkeit bieten, wirklich nachhaltige Produkte zu konsumieren, die so langlebig sind, dass du sie an die nächste Generation vererben kannst.

Upcycling: Hocker aus Sägespäne
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Hocker und Beistelltisch – beide sind hergestellt aus Sägespäne. Der Vorteil des neuen Werkstoffs: Alle Farben sind möglich.

Upcycling: Esstisch aus Sägespäne
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Der neue Werkstoff soll eine Kreislaufwirtschaft starten: Aus alten Tischen werden neue Möbel.

Nachhaltige Möbel: Vier Plattformen

In diesen fünf Online-Shops findest du nachhaltige Möbel und Accessoires, die du garantiert niemals wegwerfen willst:

  • Unter antikolis.de findest du Mid-Century und Vintage Möbel, die von gewerblichen Händlern CO2-neutral und kostenfrei zu dir nach Hause geschickt werden.
  • Der Lilli Green Shop bietet ein besonderes Sortiment an Produkten, die Nachhaltigkeit und Design vereinen.
  • Die Teppiche des Berliner Unternehmens Limala kommen aus Marokko, wo sie in Handarbeit von kleinen Familienunternehmen unter fairen Bedingungen hergestellt werden.
  • Die Möbelmanufaktur Herr Lars produziert im Münsterland moderne Massivholzmöbel. Holz aus nachhaltig bewirtschafteten, deutschen Forstbeständen wird hier durch Handarbeit zu einzigartigen Möbelstücken.

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