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Geld grün anlegen geht ganz einfach

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In Unternehmen zu investieren, die ökologisch agieren und dabei mitverdienen – geht das wirklich? Und wie weiß man, ob grün drin ist, wo grün draufsteht? Wir haben den Finanzexperten Hermann-Joseph Tenhagen gefragt.

Geld an der Börse verdienen – das ist doch hochkomplex? Hermann-Joseph Tenhagen hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Vorurteile zu entkräften und Menschen aufzuklären. „Wir haben den Anspruch, den Menschen die Hilfestellung zu geben, die sie brauchen, um ihre Finanzen selbst machen zu können. Wir glauben, dass das gar nicht kompliziert ist“, sagt Tenhagen.

Tenhagen ist Chefredakteur und Geschäftsführer bei Finanztip. 2014 hat er den Ratgeber als gemeinnützige GmbH mitgegründet. 2020 wurde Finanztip dann in eine Stiftung überführt. Das Prinzip: Expert:innen bewerten und vergleichen verschiedene Produkte, wie zum Beispiel Steuersoftware, Lebensversicherungen oder Fonds. Jeweils die besten Produkte werden dann bei Finanztip gelistet. Inzwischen stecken hinter Finanztip rund 60 Mitarbeitende. Der Newsletter hat rund 900.000 Abonnenten; die Ratgeber werden jährlich über 60 Millionen Mal abgerufen.

Für Tenhagen ist klar: „Es ist schade, wenn die Menschen ihr Geld einfach bei einer konventionellen Bank liegen haben. Da kriegen sie keine Zinsen.“ Ein Ausweg, um moralisch und ökologisch zu investieren, können grüne Geldanlagen sein. Damit ist der Kauf von Wertpapieren gemeint, hinter denen Unternehmen mit nachhaltig-ökologischem Handeln stehen.

Erst Weltklimagipfel, dann Wertpapiere

Tenhagen war schon grün, als das noch Avantgarde war. Bereits in seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Frage, wie man Atommüll demokratisch legitimiert vergraben kann. Er arbeitete als Redakteur der „taz“ und gründete dort zusammen mit Kolleg:innen das Ressort für Wirtschaft und Umwelt. 1995 koordinierte er für die Umweltverbände die Pressearbeit zum Weltklimagipfel. Heute ist er, neben seiner Tätigkeit bei Finanztip, Aufsichtsrat bei der taz und bei Greenpeace.

Für den Start an der Börse empfiehlt Tenhagen, in sogenannte Fonds zu investieren. Das ist eine beliebte und anfängerfreundliche Klasse von Wertpapieren. Der Fond bündelt Wertpapiere mehrerer Unternehmen. Es gilt: je breiter ein Fonds, umso sicherer. Breite meint dabei eine heterogene Menge an Firmen – wie aus verschiedenen Ländern, oder aus verschieden Branchen, um nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes oder einer Branche abhängig zu sein. Der Nachteil: die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass hier Unternehmen dabei sind, deren Firmenpolitik nicht den eigenen Werten entspricht.

Hermann-Josef Tenhagen
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Für den Start an der Börse empfiehlt Finanztip-Chef Hermann-Josef Tenhagen, in nachhaltige Fonds zu investieren. Das ist eine beliebte und anfängerfreundliche Klasse von Wertpapieren.

Nachhaltige Geldanlage
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Es gibt auch Fonds, die auf einzelne Branchen zugeschnitten sind, etwa auf erneuerbare Energien oder Wasser. Davon rät Finanztip ab: Die Streuung ist zu gering, es sind weniger Firmen in den Fonds. Damit steigt das Risiko – am höchsten ist es bei Einzelaktien. Sich darauf zu spezialisieren ist mehr Spekulieren als Investieren.

Fonds: Grün ist nicht gleich grün

Will man grün investieren, kann man zwischen hell- bis dunkelgrünen Fonds entscheiden: „Bei einem hellgrünen Fonds werden beispielsweise von 1600 Firmen des Aktienindex MSCI-World 400 Firmen herausgesucht. Im Vergleich zu den anderen Firmen sind diese am wenigsten umweltschädlich und setzen sich am ehesten mit sozialen Fragen auseinander. Diese Firmen sind nicht korrupt sind und haben ein gutes Management“, erklärt Tenhagen. Es geht also darum, von allen verfügbaren die am wenigsten schlimmsten herauszusuchen. „Da ist dann zum Beispiel Apple nicht drin – Handyhersteller sind das meistens nicht, da sie seltene Erden brauchen und der Bergbau nach allen ökologischen Kriterien suboptimal ist. Da ist Amazon auch nicht dabei – sie gehen sehr schlecht mit Gewerkschaften um. Meta ist auch nicht drin – das Problem ist hier der Datenschutz. Ausgeschlossen sind zudem Atomkraft, Gentechnik, Handfeuerwaffen oder Rüstungsprodukte.“ Tatsächlich bringen hellgrüne Fonds den gleichen Gewinn ein wie die klassischen. Sie sind nicht so großen Schwankungen der Börse unterlaufen, da sie trotzdem ein breites Feld an Firmen abbilden – von nachwachsenden Rohstoffen über erneuerbare Energien bis hin zu nachhaltigem Bauen.

Eine grünere Alternative sind kleinere Fonds mit strengeren Kriterien. Ein Nachteil: Bei kleineren Fonds fallen 1,5 bis 2 Prozent Managementkosten an. Ein Beispiel für einen solchen grüneren Fond ist der Green-Effects-Fonds. Dieser orientiert sich am Natur-Aktien-Index NAI. Der NAI bildet nur 30 Firmen ab, darunter Shimano, Biontech oder Tesla. „Mit 30 Firmen versucht der NAI, marktbreit unterwegs zu sein und trotzdem bestimmte Kriterien sowie einen ganz strengen Filter zu haben. Das Risiko ist seine Volatilität – also das Rauf und Runter an der Börse ist wesentlich ausgeprägter.“ Das bedeutet: In Krisenzeiten stürzen sie oft noch stärker ab als andere Fonds. „Zumindest ist in dem Bereich der Ökologie das Risiko erträglicher, da man ja mit seinem Geld etwas unterstützt hat, was den moralischen Ansprüchen genügt“, sagt Tenhagen.

Es kann noch grüner werden

Und es würde noch grüner gehen, meint Tenhagen: indem man strengere Kriterien anlegt und härter aussiebt. Ausschlusskriterien könnten sein: fehlender Betriebsrat, Gerichtsprozesse wegen Korruption, eine zu hohe Lohnspreizung zwischen den Mitarbeitenden und der Geschäftsführung. „Das allerschärfste, was man perspektivisch machen könnte, wäre ein Clustern nach Impact. Wir wollen, dass Unternehmen die Welt im Sinne der Nachhaltigkeit verändern. Manche versuchen das schon. Auf der Fondsebene gibt es allerdings bisher wenig bis gar nichts dazu“, erklärt Tenhagen.

Noch liegt das Hauptproblem darin, all diese Informationen zu sammeln. Die neuen europäischen Kriterien, die den ökologischen, sozialen und moralischen Impact eines Unternehmens und seiner Produkte messen, machen hier Hoffnung. Gleichzeitig liegt in der Menge der Kriterien eine Gefahr: „Je größer der Kriterienkatalog wird, desto schwerer wird das Messen und Nachvollziehen. Manche Firmen messen deswegen nicht mehr, selbst wenn sie sich an die Kriterien halten“, sagt Tenhagen. „Auch wird es bei zu vielen Kriterien unübersichtlich für potentielle Anleger:innen. Als Käufer eines solchen Fonds würde man sich natürlich wünschen, dass da ein Siegel von Greenpeace, dem BUND oder einer anderen vertrauenswürdigen Organisation drauf wäre.“

Weltverbesserung leicht gemacht

Das Interesse an grünen Geldanlagen wächst stetig. Mittlerweile haben sich die Klickzahlen für grünes Investieren auf Finanztip mehr als verdreifacht. Für Tenhagen steht fest: „Ich bin nicht sicher, dass die Welt immer grüner wird. Ich bin aber sicher, dass es in Zukunft einfacher sein wird, grün zu investieren und zu leben. Dank neuer EU-Regulierungen werden Unternehmen viel stärker Daten sammeln und bereitstellen müssen.“ Und wenn heute immer mehr Menschen die richtigen Investitionsentscheidungen treffen, helfen grüne Geldanlagen vielleicht dabei, eine ökologische und bessere Zukunft zu erschaffen.

Nachhaltige Geldanlage
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Von speziellen Ökofonds rät Finanztip auch eher ab: Wenig Streuung, hohe Verwaltungskosten von bis zu 2,5% pro Jahr und intransparente Kriterien, was überhaupt nachhaltig ist, sprechen dagegen. Besonders skeptisch solltest du gegenüber direkten Beteiligungen oder „Genussscheinen“ für Wind- und Solarparks oder Waldprojekte sein. Sie verfügen über keinerlei Einlagensicherung – oft sind dahinter schwarze Schafe.

So startest du in die Welt der grünen Geldanlagen: 3 Tipps

Tipp 1: Beginne mit hellgrünen Investments, beobachte und lerne

Tenhagens Tipp: „Beginne mit einem hellgrünen Fond, da du hier praktisch kein Anlagerisiko hast. Das ist dein Basis-Investment.“ Beobachte und lerne: „Am Anfang weiß man nicht, wie es funktioniert.“ Was du anschließend zusätzlich tun willst, kann dann etwas mehr Risiko haben, etwa Aktien von besonders grünen Unternehmen: „Mit dem wesentlichen Teil Deines Geldes bist Du schließlich in dem hellgrünen Fond drin.“

Tipp 2: Investiere nur in das, was du nachverfolgen kannst

Investiere nur dort, was man auch in Medien nachverfolgen oder erleben kann. Tenhagen warnt: „Das ist wichtig, um sicher zu sein, dass das drin ist, was versprochen wird. Man muss sich nicht mit den Firmen, aber mit der Welt beschäftigen, da bekommt man schnell mit, wenn ein Konzern Unfug macht.“

Tipp 3: Fange heute an – auch mit kleinen Beträgen

Um zu investieren, braucht es keine großen Summen und auch kein Mindestkapital. Die monatliche Rate für in einen Fond beginnt bei 25 Euro. Viele Online-Banken bieten einfache Sparraten-Angebote. Schaue also erst einmal bei der Bank deines Vertrauens. Alternativ geht es per Trading-Apps – mehr Informationen dazu gibt es auch bei Finanztip.

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