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Hafer, heilende Pflege für die Haut

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Besonders im Winter verliert unsere Haut Feuchtigkeit und ist schnell gereizt. Statt Beauty-Innovationen reicht manchmal auch der Griff in den Vorratsschrank: Haferflocken sind wahre Beauty-Booster und heilend noch dazu.

Kulturgut mit Heilkräften

David Baumgarten hatte immer wieder in seinem Leben mit Neurodermitis zu kämpfen – ausgelöst durch Trigger-Faktoren wie Stress. Der Mitte dreißigjährige war bei zahlreichen Ärzten, die ihm immer neue Kuren oder Pflegecremes verschrieben haben. Auch mit einer Ernährungsumstellung hat er es versucht. Den gewünschten Erfolg brachte keines der Maßnahmen. Deshalb machte sich Baumgarten selbst an die Entwicklung einer Salbe – mit der Hauptzutat Hafer. 2020 gründete er damit sein Start-Up „Reflora Skin“. Unterstützt wurde er dabei von Chemikern und Mikrobiologen. Die vegane Akutsalbe soll insbesondere dabei helfen, die angegriffene Hautbarriere zu reparieren und stärken. Dafür setzt der Unternehmer ausschließlich auf natürliche Inhaltstoffe. Neben feingemahlenem Hafer aus Finnland kommt auch Bio-Borretschsamenöl in die Creme.
Reflora Skin ist nur ein Beispiel für Unternehmen, das sich die Vorteile von Hafer zunutze macht. Auch skandinavische Hautpflegemarken wie „Nóttnuit“ und „Lumene“ arbeiten mit diesem Getreide.

Nicht umsonst wurde Hafer 2017 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt – als erste Pflanze, die auch in der Dermatologie zum Einsatz kommt. Dabei wurde die älteste Form des Getreides bereits in der Bronzezeit entdeckt und in der Antike für ihre heilsame Wirkung geschätzt. Auf römischen, ägyptischen und arabischen Boden gewachsen, gehörte die Kulturpflanze zunächst im mediterranen und orientalischen Raum zum Leben der Menschen dazu. Später fand das Getreide seinen Weg auch in nordische Gebiete, wo es sich ohne Probleme den neuen Bodenverhältnissen annahm. Mit der Zeit etablierte sich Hafer als nahrhaftes und gesundes Getreide für Mahlzeiten, weniger als Hautpflege in der Kosmetik. 1946 wurden die ersten kolloidalen, also feinstens gemahlenen Haferflocken hergestellt. Im selben Atemzug untersuchten Expert:innen die Wirkung auf die Haut. Erfolgreich – 2003 hat die amerikanische FDA (Food and Drug Administration) offiziell anerkannt, dass Haferflocken die Haut schützen. Heute ist Hafer im „Skincare“-Bereich dafür bekannt, entzündungshemmend, wundheilend und schützend zu sein.

Haferfeld
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Auf dem Haferfeld wachsen die Körner an vielfach verzweigten Rispen heran.

Haferflocken
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Haferflocken haben eine heilende Wirkung auf den Körper – ob nun in Form von Essen oder Pflege.

Von der Pflanze auf dem Feld zu Hafer-Derivaten in der Kosmetik

Statt Ähren wie bei anderen Getreidesorten trägt Hafer seine Körner an vielfach verzweigten Rispen. Haferflocken, auch „Avena Sativa“ genannt, haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber seiner Getreide-Verwandten: Dank seines ausgeprägten Wurzelwerks nimmt Hafer besonders gut Nährstoffe aus dem Boden auf, die wiederum unserem Körper guttun. Kein Wunder, dass Haferflocken als heilend gelten. Heutzutage sind kühlere Regionen wie Nordamerika, Mittel- und Nordeuropa, England und Russland beliebte Orte für den Haferanbau – genau wegen ihres nährstoffreicheren Bodens. Ob Cremes, Peelings oder Maske: Haferflocken sind nicht nur Teil der Lebensmittelindustrie, sondern in prozessierter Form oftmals Zutat für Hautpflegeprodukte: „Kolloidales Hafermehl“ wird das feine Pulver genannt, das nach dem Mahlen von Haferflocken und anschließendem Kochen entsteht. Das gewonnen Extrakt wird neben Beauty-Produkten auch gern wegen seiner schäumenden Wirkung in Reinigungsmitteln eingesetzt.

Frau wäscht sich das Gesicht
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Um die Gesundheit der Hautschutzschicht zu wahren, reicht Wasser als Pflege oftmals aus. Soll die Schicht gestärkt werden, kann Hafer helfen.

Öle mit Hafer
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Mit Hafer angereicherte Öle sind bei trockener Haut eine gute Wahl, da diese natürlich feuchtigkeitsspendend sind.

Natürliches Beauty- und Health-Booster für die Haut

Die Hygiene des Menschen hat sich im letzten Jahrhundert stark verändert. Tägliches Duschen gehört für die meisten zu ihrer Pflegeroutine mit dazu. Auch wenn sich das heiße Wasser in Kombination mit wohlriechenden Duschprodukten gut anfühlt, ist es für die Haut eher schädigend. Denn ist die natürliche Hautbarriere durch zu heißes Wasser und Pflegemittel geschwächt, können Fremdstoffe und krankmachenden Bakterien und Pilzen sich festsetzen. Die Folgen sind unreine und trockene Haut sowie Ausschlag. Auch beim Überpflegen kann es zu Hautreizungen kommen. Statt fünf verschiedene Kosmetikprodukte anzuwenden, reicht oftmals Wasser zur Reinigung der Haut aus. Doch auch bei einer sanften Pflegeroutine kann die natürliche Hautbarriere geschwächt werden – oftmals in den kälteren Monaten. Besonders empfindlich ist das Gesicht. Hier ist die Haut dünner und dauerhaft freien Radikalen ausgesetzt. Auch wenn sie Nebenprodukte unseres Stoffwechsels sind, werden sie durch äußere Faktoren wie UV-Strahlen, Feinstaub und Stress beeinflusst. Umso wichtiger, die natürliche Hautbarriere zu stärken. Produkte mit Hafer enthalten jede Menge Antioxidantien und schützen so die Haut vor schädlichen freien Radikalen, indem sie zum Gleichgewicht der Mikroben beitragen. Entzündungshemmenden Phenole und Vitamin E sorgen für eine gesunde Schutzschicht und wirken gegen Rötungen sowie andere Ekzeme. Die Proteine im Hafer stabilisieren den pH-Wert der Haut und tragen zu einem gesunden Hautbild bei. Mit seinen vielfältigen Inhaltsstoffen und Lipiden ist Hafer eine wahre Feuchtigkeitsquelle für die Haut. Die Kombination aus hoher Konzentration an Stärke und Beta-Glucanen bindet Wasser und schließt so die Feuchtigkeit der Haut ein. Ein weiterer Effekt dieser biologischen Reaktion: Es reduziert Falten. Hafer mit Anti-Aging-Effekt – so einfach und wirksam kann natürliche Pflege sein.

3 Hausmittel gegen Hautreizungen

Eine natürliche Apotheke haben viele von uns bereits in der Küche daheim. Neben Haferflocken können auch Lebensmittel wie Tee, Honig und Karotten Teil der Hautpflege werden. Einfach schöne Haut – wir stellen die drei Hausmittel dafür vor.

Hausmittel 1 – schwarzer Tee-Therapie

Zwischen 16 und 45 Jahren leiden vor allem Frauen unter Periorale Dermatitis, auch bekannt als Mundrose. Wo es herkommt, ist noch unklar. Allerdings hat es oftmals mit der Beauty-Routine zu tun. Überpflegte Haut neigt tendenziell schneller zu dem Ausschlag. Gesundheitlich ist Mundrose nicht dramatisch, dennoch undankbar. Nicht aromatisierter schwarzer Tee als natürliche Alternative zu Kortison schafft Abhilfe: Es sorgt für das Auftrocknen der gereizten Stellen. Die Gerbstoffe im Tee sind antientzündlich und können Juckreiz lindern. Damit hilft schwarzer Tee auch bei anderen Hautkrankheiten wie Neurodermitis. Zum Behandeln der Hautreizungen einfach Tee aufkochen und für zehn Minuten ziehen lassen. Für eine sanftere Behandlung kann der erste Aufguss wegschütten und stattdessen der zweite genutzt werden. Dieser enthält weniger Gerbstoffe. Wenn der Tee abgekühlt ist, Handtuch oder Wattepad damit tränken. Für 20 Minuten wie eine Maske einwirken lassen und bei Bedarf bis zu fünfmal täglich wiederholen. Anschließend die Hautstellen mit Vaseline oder einer anderen fetthaltigen Creme einreiben, um diese Partien vor zu starken Austrocknen zu schützen.

Hausmittel 2 – heilende Honig-Maske

Auch Honig wirkt entzündungshemmend und antibakteriell. Dank spezieller Enzyme desinfiziert und beruhigt der süße Nektar betroffene Hautpartien. Damit ist das Gold der Bienen eine beliebte Zutat für Gesichtsmasken gegen unreine Haut. In Kombination mit Meersalz wird aus der Maske direkt ein reinigendes Peeling. Dafür etwas Honig mit feinem Meersalz mischen und auf dem gesamten Gesicht auftragen. Bei sensibler oder trockner Haut kann das Salz auch weggelassen und stattdessen ein gröberer Honig mit Kristallbildung genutzt werden.

Hausmittel 3 – beruhigendes Karotten-Gesichtswasser

Das orangene Gemüse sorgt bekanntlich für einen sonnengeküssten Teint. Aber es kann noch mehr: Karotten sind reich an Vitamin A und Kalium, die in Kombination Hautschwellungen, Flecken und Narben reduzieren. Und so geht’s: Einfach ein- bis zweimal täglich ein Tuch oder Wattepad in das selbstgemachte Gesichtswasser tunken, das zu einem Teil aus Karottensaft und zu drei Teilen aus Wasser besteht. Jetzt mit dem getränkten Tuch oder Pad das Karotten-Gesichtswasser auf die gereizten und geröteten Stellen im Gesicht und am Körper auftragen und einziehen lassen.

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