Foto Getty Images

Style

Des Klimaschützers neue Kleider

Foto Getty Images

Was Du als Verbraucher tun kannst, um Kleidung klimafreundlich zu nutzen: Second-Hand, Klamotten-Upcycling und richtig Recyclen zum Beispiel

Die Gründungsgeschichte des Münchener Mode-Labels The URA Collective beginnt mit viel Freundschaft. Flo, Nick und Nadine kennen sich zum Teil schon aus dem Kindergarten und wollten „das Konzept vieler T-Shirt Hersteller – schnelllebige Trends in immer noch billigerer Qualität auf den Markt zu bringen – nicht weiter unterstützen“. Anfangs nähten sie deshalb Stoffapplikationen aus Stoffresten auf einfarbige Shirts, um diese aufzuwerten. Ihr Freundeskreis war davon so begeistert, dass die Idee zur Gründung entstand.

So wie ihr Label The URA Collective, sind auch die drei Gründer:innen gewachsen, denn die Recherche und Suche nach geeigneten Produzenten öffnete ihnen die Augen: „Man weiß, wie viele Kalorien sich in jedem Lebensmittel befinden, aber oft nicht, was man tatsächlich auf der Haut trägt“, erklärt das Münchener Trio. „Das komplette Ausmaß war selbst für uns erschreckend.“ Gemeinsam mit ihrem Lieferanten und den Konsumenten verkaufen sie deshalb hochqualitative Mode und informieren auf ihrer Website zusätzlich transparent über die Produktion und die aktuelle Situation in der Textilindustrie.

Während die Fast Fashion-Industrie jährlich mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert, werden bei dem Münchner Label The URA Collective kleine, dafür langlebige Stückzahlen hergestellt. „Klar schmerzt es, deutlich mehr für ein fair-produziertes und aus Naturfasern hergestelltes Kleidungsstück auszugeben, anstatt sich für den gleichen Preis 2-3 billig T-Shirts zu kaufen“, so die Gründer. „Wir alle wissen, das ist leichter gesagt als getan. Ganz ehrlich, unsere Schränke sind voll von Impulskäufen, die man maximal daheim oder zum Schlafen anzieht.“ Trotzdem hat man auf lange Sicht mehr von einem Slow-Fashion-Shirt, nicht nur weil man immer gut (im wahrsten Sinne des Wortes) gekleidet ist, sondern auch für die Natur und die Arbeitsbedingungen seiner Mitmenschen Verantwortung übernimmt.

Es beginnt bei der Produktion

Kleidung soll nicht nur unsere Körper verhüllen. Sie ist Ausdruck einer Identität. Über Mode treffen wir Aussagen über uns selbst. Wir grenzen uns ab von anderen, zeigen unsere Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur oder schwimmen mit dem Mainstream. Immer mehr neue Trends fordern immer mehr neue Kleidungsstücke. 24 neue Kollektionen bringt allein der Fast-Fashion-Gigant Zara jedes Jahr in die Geschäfte – das sind zwei Kollektionen pro Monat!

Dabei tragen wir ein Kleidungsstück durchschnittlich nur etwa viermal, bis es in den Altkleidercontainer wandert. Einige Klamotten verkommen gleich zu Schrankleichen.

Die Lösung: Weniger Kleidung produzieren. Hier müssten vor allem die großen Labels der Branche eine Vorreiterrolle übernehmen.

Was Du tun kannst? Weniger kaufen.

Experten raten: Setze auf Basics, auf zeitlose Stücke, die Du mit allem kombinieren kannst. Ausgefallene Trendteile machen zwar etwas her,  doch ist der Trend vorbei, werden sie meist rigoros aussortiert.

Nachhaltige Rohstoffe in der Mode
FOTO: Getty Images

Bio-Baumwolle ist besser als „nur“ Baumwolle, denn: Sie ist gentechnikfrei und werden ohne den Einsatz von synthetischen Chemikalien, Pestiziden oder Dünger angebaut.

Worauf Du beim Kauf achten solltest: 4 Tipps für klimafreundliches Klamotten-Shoppen

1. Der Stoff entscheidet

Nicht nur die Menge, sondern auch was wir kaufen, macht einen Unterschied. Der Großteil der aktuellen Kleidung besteht aus Baumwolle oder Synthetik-Fasern wie Polyester. Ein Kilo konventionell angebaute Baumwolle verbraucht etwa 15.000 Liter Wasser. Synthetik-Stoffe wie Polyester hingegen werden aus fossilem Erdöl hergestellt und warten mit einer ebenso schlechten Ökobilanz auf. Das Gute: Beide Stoffe können recycelt werden. Das Problem: Die meisten Kleidungsstücke bestehen aus Mischgeweben, also aus mindestens zwei verschiedenen Fasern. Diese sind schwerer wiederzuverwerten, da es sich nicht um Reinstoffe handelt.

Achte beim Kauf also darauf, möglichst wenige Kleidungsstücke aus Mischgeweben zu kaufen.

Außerdem können Kleidungsstücke aus Naturmaterialien wie Baumwolle, Wolle oder Leinen besser recycelt werden. Im Gegensatz zu Kleidern aus synthetischen Fasern verlieren sie beim Waschen kein Mikroplastik ans Wasser. Dabei solltest Du möglichst auf Produkte aus zertifizierter Bio-Baumwolle zurückgreifen.

Neue umweltschonende Fasern werden stets erforscht. Als nachhaltig gelten Natur- und Kunstfasern aus Lyocell/Tencel, Kapok und Hanf sowie Leder aus Naturmaterialien wie zum Beispiel Apfel- oder Ananasfasern. Auch Produkte aus Recyclingfasern können eine Alternative sein. Dabei handelt es sich zumeist um recyceltes Polyester, etwa aus alten Plastik-Flaschen.

2. Auf Siegel setzen

Für den Einkauf können Siegel eine Orientierung bieten. Die Seite „Siegelklarheit“ klärt Verbraucher darüber auf, welche Siegel wirklich nachhaltig sind.

Empfehlenswerte Siegel sind z.B. der Grüne Knopf, Fair Trade, der Blaue Engel, Öko-Text 100 plus oder das internationale GOTS-Siegel. Die strengsten Vorgaben hat das Siegel „NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST“ – dabei garantiert es 100 Prozent Naturfasern aus kontrolliert biologischer Erzeugung. Zudem werden strenge Schadstoffkontrollen, Sozial- und Umweltnormen bei der Herstellung eingehalten.

3. Second Hand statt Neukauf

Noch nachhaltiger als neue, fair produzierte Kleidung ist Kleidung aus zweiter Hand: Second Hand. Dafür lohnt es sich, in speziellen Second-Hand-Läden oder auf Flohmärkten Ausschau zu halten. Wer kein passendes Geschäft in der Nähe hat, der kann auf Online-Plattformen wie „momox fashion“ zurückgreifen. Selbst große Unternehmen wie Zalando und About You setzen mittlerweile auf Second Hand und haben dafür eine eigene Sparte in ihrem Online-Shop. Auch für Designermode gibt es mittlerweile Secondhand-Onlineshops, wie etwa „Vite en Vogue“.

Wer nicht nur selbst kaufen, sondern auch ungetragene Stücke loswerden möchte, dürfte bei den Online-Plattformen Vide Dressing, Vinted, Kleiderkorb oderMädchenflohmarkt fündig werden. Dort können Verbraucher nicht mehr getragene Kleidung untereinander tauschen und verkaufen. Viola Wohlgemuth, Konsum-Expertin der Umweltschutzorganisation Greenpeace, gibt in der NDR-Dokumentation „Die Altkleider-Flut“ noch einen Tipp: „Es gibt viele Möglichkeiten, die Alternativen zum Neukauf auszuprobieren. Ich gehe gerne mit meinen Freundinnen auf Kleidertauschpartys und auch dort kann ich für mich neue Kleidung finden. Aber sie ist eben nicht neu hergestellt worden – das ist das Schöne.“

4. Ein zweites Leben für Altkleider…

Kleider-Recycling

Kleidung, die nicht mehr getragen wird, landet zum Großteil in Altkleidercontainern. Gut erhaltene Klamotten werden dort weiterverkauft – im besten Fall an Second-Hand-Läden vor Ort. Oftmals landen die Kleider aber in anderen Ländern, was der dort ansässigen Textilindustrie schadet.

Der Großteil der Kleidung aber ist in einem so schlechten Zustand, dass sie nur noch der Materialverwertung zugeführt werden kann. Das ist im schlechtesten Fall die Müllverbrennung und im besten Fall eine Weiterverwertung der Fasern. In einer Reißerei werden die Altkleider in ihre Einzelteile zerteilt. Aus den entstandenen Fasern entstehen dann etwa Dämmmaterialien für den Hausbau oder Malervlies.

In der NDR-Dokumentation „Die Altkleider-Flut“ beklagt Stefan Voigt, Vertriebsleiter einer Altkleidersortieranlage: „Insgesamt ist die Qualität der Ware gesunken. Diese Entwicklung stellen wir überall fest.“ Du kannst die Arbeit der Sortierer wesentlich erleichtern, indem Du darauf achtest, nur gut erhaltene Kleidung in die Altkleidercontainer und Sammelstellen zu bringen.

Klamotten-Upcycling

Wer alte Kleidung nicht in eine Sammelstelle geben will und einen kreativen Daumen hat – für den könnte Upcycling etwas sein. Darunter versteht man die Zweckentfremdung eines Artikels, sodass er anderweitig eingesetzt werden kann. Ein einfaches Beispiel dafür wäre das Nähen einer Patchwork-Decke aus Stoffresten.

Oder Du kannst aus zwei alten Ledergürteln, einem Regalbrett und ein paar Schrauben mit wenigen Griffen ein Wandregal herstellen. Die Gürtel fungieren dabei als Wandhalterung.

Aus alten Handtüchern oder Geschirrtüchern sind im Handumdrehen wiederverwendbare Kosmetikpads genäht.

Stoffreste kannst Du mit Kirschkernen und Kräutern nach Wahl befüllen und erhalten so ein Kirschkernkissen mit Kräuterduft.

Alte T-Shirts kannst Du in dünne Streifen schneiden, miteinander verflechten und so einzigartige Geschenkbänder bastel

Du findest die zweite Socke nicht mehr? Keine Sorge, mit ein paar Knöpfen, dickem Garn und Textilstiften hast Du schnell eine Sockenpuppe zum Leben erweckt – ein großer Spaß für Kids: wenn nicht für die eigenen, dann zum Verschenken, etwa an Kindergärten und Co.

Newsletter

Melde dich für unseren Newsletter an.

Folge uns