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Style

Bluejeans können auch grün sein

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In aller Munde, doch längst nicht Teil eines jeden Kleiderschranks: die nachhaltige Jeans. Immer mehr Labels setzen auf Green Denim. Wie nachhaltig das wirklich ist, und worauf du beim Kauf achten musst

Als in Bangladesch das Fabrikgebäude Rana Plaza einstürzte, wollte Miriam Henninger das nicht einfach so hinnehmen. Sie gehörte damit zu einer Initiative von Menschen, die beschlossen mit den Missständen in der Kleidungsproduktion aufzuräumen. Sie fragten sich, welches Kleidungsstück auf der einen Seite für Mensch und Umwelt sehr belastend – und auf der anderen Seite weit verbreitet ist. Das Ergebnis: die Fair Jeans. Sie starteten ein Crowdfunding, in dem sie 10.000 Euro Startkapital sammelten und gründeten dann ihr eigenes Label: „fairjeans“. Ihre Vision: eine Jeans herzustellen, die wirklich gemütlich ist und fair hergestellt wurde. Fair bedeutet dabei, dass sowohl Mensch als auch Umwelt einen guten Umgang erleben. Ihre Herausforderungen sind vielfältig: Elasthan etwa macht eine Jeans dehnbar, doch Elasthan ist nicht kompostierbar. Noch wird ein Teil der Bio-Baumwolle aus Indien bis nach Europa transportiert. fairjeans verwendet beim Färben keine Chemikalien. Sie legen Wert auf Langlebigkeit, sodass sich das Invest gleich doppelt lohnt. Eine bewusst kleine Auswahl erleichtert Jeansliebhaber:innen die Entscheidung. Am Beispiel von fairjeans wird deutlich – nachthaltig ist nicht gleich nachhaltig. Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Fashion-Labels, die sich eine nachhaltige Produktion auf die Fahne schreiben und lässige Bio-Jeans im Sortiment haben. Wie nachhaltig faire Jeans wirklich sind, und worauf du besonders achten solltest, bevor du eine davon in den Warenkorb legst, erfährst du hier.

Faire Mode: Die beliebte Bluejeans kann auch anders.

Die Jeans ist das beliebteste und zugleich “schmutzigste Kleidungsstück“ der Modeindustrie. In der Regel besteht der Jeansstoff aus 100 % konventionell angebauter Baumwolle. Allein für eine Jeans werden bis zu 8000 Liter Wasser benötigt. Bei der Baumwollproduktion werden giftige Chemikalien erst für die Schädlingsbekämpfung und dann für die Farbfixierung verwendet. Folglich haben die Arbeitenden mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, Flüsse und Seen werden verschmutzt. Hinzu kommen lange Transportwege, vom Baumwollfeld über die Fabrik bis hin in die Läden.

Die gute Nachricht: Es geht auch anders. Immer mehr Modelabels setzen auf nachhaltige Kleidung, und auch Fast Fashion-Marken wie H&M, Zara und Co. versuchen vermehrt, sich dem Trend anzuschließen. So werden für die Herstellung von Jeans nachhaltige Materialien wie Bio-Baumwolle, recycelte Baumwolle und Bio-Leinen verwendet. Es kommen oft wasserarme Aufbereitungsverfahren zum Einsatz und produziert wird größtenteils innerhalb Europas. Zudem erhält so manche Ware eine Zertifizierung, die eine faire und nachhaltige Produktion – unter Einhaltung sozialer Standards – garantiert.

Und dennoch: Die Skepsis in Bezug auf mögliches Greenwashing bleibt. Schließlich ist der Begriff “Bio-Jeans“ nicht geschützt, sodass theoretisch jeder Hersteller mit nachhaltigen Produkten werben kann. Viele Jeans-Fans fragen sich: Wie nachhaltig sind fair produzierte Jeans wirklich?

Wie nachhaltig sind fair produzierte Jeans wirklich?

Damit beschäftigte sich auch das Verbrauchermagazin “Öko-Test“ und untersuchte gemeinsam mit der Frauenrechtsorganisation Femnet Jeans von 21 Marken. Darunter faire Labels wie Armedangels und hessnatur, aber auch konventionelle wie Levi’s und H&M. Das Ergebnis: Im Vergleich zu herkömmlichen Marken schneiden Fair Fashion-Labels in puncto Transparenz und Glaubwürdigkeit deutlich besser ab. Die Einhaltung hoher Sozial- und Umweltstandards konnte anhand von Dokumenten belegt werden.

Alle Jeans wiesen einen Anteil Anilin auf. Ein Farbbestandteil, der für die markante Blaufärbung der Jeans verantwortlich ist und unter Verdacht steht, gesundheitsschädlich zu sein. Allerdings tauchte dieser bei den fairen Marken nur in geringen Mengen auf, was von dem GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard) als unbedenklich eingestuft wurde. Das zeigt: Auch wenn sich nachhaltige Labels um eine faire Jeans-Herstellung bemühen, sind nicht alle Kleidungsstücke komplett umweltfreundlich. Nichtsdestotrotz ist eine Bio-Jeans sowohl unter gesundheitlichen als auch unter sozialen Aspekten die bessere Wahl.

Um beim Kauf sicherzugehen, dass die Jeans möglichst fair hergestellt wurde, helfen dir neben der Zertifizierung noch weitere Kriterien bei der Orientierung. Auch kannst du anhand der gratis App “Good on you“ herausfinden, wie das Modelabel zu Nachhaltigkeit und Fairness steht.

„Jeans made in Germany“: Diese nachhaltigen Marken machen es vor

Wiederbelebt

Minimalistisch, langlebig, gut kombinierbar und vor allem eins: 100 % Made in Stuttgart. Vom Design über die Auswahl der Stoffe bis hin zur Produktion und Endkontrolle, das junge Eco-Fashion-Label aus Stuttgart hat sich voll und ganz dem Upcycling verschrieben. Aus Überschussware und Restmaterialien werden neue Einzelstücke produziert und wiederbelebt – nicht aber weiterverarbeitet, gefärbt oder irgendwelchen Chemikalien ausgesetzt. Für ihre Upcycling-Mode verwenden die Gründer Sarah Kürten und Oguzhan Deniz Materialien von Textilunternehmen aus Baden-Württemberg. Jedes Kleidungsstück ist auf 50 Teile pro Kollektion limitiert. So kann das Modelabel stets die höchste Qualität seiner Produkte garantieren.

Geniestreich

Das nachhaltige Denim-Label Geniestreich designt und produziert seine Kollektion in der eigenen Manufaktur in Bielefeld. Die Stoffe stammen aus Italien oder der Türkei und sind nach GOTS biozertifiziert – auf Wunsch lassen sich auch individuelle “Lieblingshosen“ anfertigen. Im Sommer 2014 gründete Andreas Güntzel gemeinsam mit seiner Frau Julia Güntzel das Modelabel mit dem Ziel: Ökologisch-hochwertige Jeans herzustellen, die modisch, zeitlos und langlebig sind. Vom “Blauen-Glück“ bis zum “Blauen Freund“, das Fashion-Label aus Bielefeld macht seinem Namen alle Ehre: Bequem, gut aussehend und im Einklang mit der Natur.

Manomama

Ob aus neu oder geretteten Materialien, eins haben alle Jeans-Kollektionen des jungen Augsburger Labels gemeinsam: Sie sind „100 % Made in Germany“. Die Bio-Baumwolle stammt aus Tansania, alle weiteren Verarbeitungsschritte jedoch werden rund um den Firmensitz in Augsburg ausgeführt. Manomama verzichtet auf erdölbasierte Fasern wie Polyester und setzt stattdessen auf regional angebauten Hanf. Auch wenn das Modelabel keine Zertifizierung besitzt, geht es sogar über die Vorgaben von GOTS hinaus. Aus gerettetem Deadstock-Material der schwäbischen Lingerie-Industrie fertigt Manomama hochwertige, zeitlose Basics für Frauen, Männer und Kinder.

Nachhaltige Bluejeans
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Eine nachhaltige und faire Jeans-Produktion in Asien ist möglich, wenn auch nach wie vor selten

Nachhaltige Bluejeans
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Vegane Jeans-Label sind im Kommen, ob aus Papier, Stoff oder Kork

Nachhaltige Jeans: Die 5 wichtigsten Tipps beim Kauf

1. Achte auf das Gütesiegel

Das GOTS-Siegel und das IVN Best-Siegel zählen zu den wichtigsten Kennzeichnungen für nachhaltige Jeans. Stoffe, die diese Siegel tragen, bestehen zu mindestens 95 % aus kontrollierten biologischen Materialien, sind mit zertifizierten Mitteln gefärbt und werden mittels wasserarmer Aufbereitungsverfahren hergestellt. Ebenso sind das Label Fairtrade Cotton sowie die Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation aussagekräftig, denn diese gewährleisten faire Produktions- und Arbeitsbedingungen. Beachte: Die Siegel sind teilweise sehr teuer und vor allem junge Labels können sich das nicht immer leisten. Wirf daher einen Blick auf die Website der Jeans-Marke. Wird dort transparent über Materialien und Herstellung berichtet, ist von einer nachhaltigen Produktion auszugehen.

2. Naturfasern sind die beste Wahl

Wähle eine Jeans, die zu möglichst 100 % aus Bio-Baumwolle besteht. Diese ist hautfreundlich, relativ langlebig, pflegeleicht und lässt sich einfacher recyceln. Der Anbau von Bio-Baumwolle erfolgt überwiegend in Ländern wie Indien, China, Brasilien, Türkei und die USA. Im Durchschnitt wird bis zu 80 % Regenwasser verwendet. Zur besseren Orientierung lassen sich folgende Baumwollarten unterscheiden: “Sustainable Cotton” ist nicht gentechnisch modifiziert und beim Anbau wird größtenteils auf Pestizide und Dünger verzichtet. Die “GMO-Baumwolle“ steht für den konventionellen Anbau unter Einsatz von Gentechnik und giftigen Chemikalien. “Organic Cotton“ ist weder gentechnisch verändert noch werden Pestizide oder Düngemittel eingesetzt.

3. „Made in Asia“ vs. „Made in Europe“?

Seit Jahrzehnten produzieren westliche Textilunternehmen Kleidung in Asien. Auch wenn es durchaus möglich wäre, ist eine faire und nachhaltige Produktion in Ländern wie Bangladesch, Indien oder China noch immer die Ausnahme. Doch auch „Made in Europe“ ist kein Garant für fair produzierte Kleidung. Es gelten zwar strengere Richtlinien bezüglich sozialer Standards, die Realität aber sieht häufig anders aus. Allerdings ist der Umweltaspekt nicht von der Hand zu weisen: So sind die Transportwege innerhalb Europas deutlich kürzer, die Qualität ist oftmals hochwertiger und die gesamte Lieferkette wesentlich transparenter.

4. Auch ohne Lederpatch möglich

Das Schildchen (auch Patch genannt) auf der Rückseite der Jeans besteht meist aus Leder. Auch wenn hierbei vor allem der vegane Aspekt im Vordergrund steht, ist dieser eng mit dem ökologischen verbunden. Schließlich wird Leder aus Tierhaut gewonnen und mit zahlreichen Chemikalien behandelt. Alternativ greifen einige nachhaltige Marken auf tierfreie Produkte wie Kork, Stoff oder Papier zurück. Noch gibt es kein einheitliches Siegel, das vegane Mode kennzeichnet. Daher nutzen einzelne Labels das “PETA-Approved Vegan Logo“, das dir die Suche nach einer nachhaltigen Jeans erleichtert.

5. Investiere in Vintage-Pieces

Bereits produzierte Kleidungsstücke zu nutzen, ist wohl die ressourcen- und umweltschonendste Alternative. Viele Vintage-Styles aus den 80ern und 90ern wurden noch unter fairen Bedingungen und mit qualitativ hochwertigen Materialien hergestellt. Das macht sich auch in der Langlebigkeit bemerkbar. Und sind wir einmal ehrlich: Wer freut sich nicht über ein cooles Denim-Piece im Schrank, das es so kein zweites Mal gibt?

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