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Style

Vegane Taschen mit Kultstatus

FOTO JW PEI

Karoline Herr ist Modebloggerin. Ihr Stil: Eher laut statt leise. Mit uns hat sie über mehr Mut in der Mode gesprochen und über vegane Taschenlabels.

Irgendwo zwischen Pastelltönen, Neonfarben und Kontrasten: Seit mehr als fünf Jahren schreibt Karoline Herr auf ihrem Blogazine „Frollein Herr“ über Mode, Beauty und Interior. Ihr Stil: Bunt und emotional, intuitiv und mutig. Ihr Credo: Weg vom Schubladendenken hin zu mehr Mut, Dinge auszuprobieren.

Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?

Die Antwort fällt mir schwer. Ich bin keine Freundin von Schubladen – gerade was Stil und Design betrifft. Auch möchte ich dem vorbeugen, dass ich in 10 Jahren einen komplett anderen Stil habe – und mir dann rückblickend sagen müsste, ich hätte mich geirrt. Denn das habe ich nicht. Ich finde Stil muss etwas sein, das fließt. Auch ist der Stil vom Zeitgeist unheimlich beeinflusst.
Wenn ich meinen aktuellen Stil beschreiben sollte, ist er nicht klassisch. Natürlich kann er klassische Elemente enthalten, aber grundsätzlich ist er eher bunt und emotional – auch, weil ich mich von verschiedenen Strömungen beeinflussen lasse. Ich bin offen für Neues, probiere vieles aus und habe, was meinen persönlichen Stil betrifft, keine Ängste. Wenn mir etwas gefällt, trage ich es auch.

Karoline Herr
FOTO Eileen Jordan

Karoline Herr schreibt auf dem Blogazine Frollein Herr und ihrem Instagram Account @frollein_herr über Mode, Beauty und Interior.

Vegane Handtaschen
FOTO Getty Images

Aus Kaktus, Kork, Ananas oder Äpfeln: Die Rohstoffe für veganes Leder werden immer mehr.

Wie hat sich dein Stil über die Jahre verändert?

Seit ich in der Modebranche arbeite, bin ich ganz vorne mit dabei, was neue Einflüsse angeht. Da kann ich mir den Mut ohne Bedenken erlauben. Das hat meinen Stil auch in den letzten 10 Jahren meines Erwachsenenlebens stark verändert. Durch den Job bin ich in eine andere Welt gestolpert, in der ich mich von Beginn an wohlgefühlt habe.

Wie findet man seinen Stil?

Wenn man seinen eigenen Stil finden möchte, sollte man sich ruhig trauen, auch Dinge auszuprobieren, von denen man eigentlich dachte, dass sie einem nicht stehen. Zu verkopft ranzugehen, ist meiner Meinung nach die falsche Methode. Denn Mode ist emotional und so sollte man auch an sie herantreten.

Wie erkennst du Trends und (wann) lohnt es sich einem Trend zu folgen?

Auch hier wieder die Antwort, dass das meistens intuitiv passiert. Manchmal zeichnen sich Trends ab, die sind in ein paar Wochen wieder gegessen, dann gibt es Trends, die sind eine Saison toll und wichtig und danach wieder verschwunden. Grundsätzlich würde ich raten, sich nicht immer sofort das neue Trendteil zu holen, weil es gerade angesagt ist, sondern erst einmal abzuwarten. Es ist auch nicht so, dass ein Trend sofort wieder verblasst, wenn er nicht direkt in der ersten Saison umgesetzt wird.

Welche Rolle spielen Accessoires in deiner täglichen Arbeit und für deinen Stil?

Accessoires sind superwichtig – dafür habe ich auch eine sehr große Schwäche, was man bei mir, meinem Account und meinem Blog unschwer erkennen kann. Grundsätzlich ist die Rolle von Accessoires im Internet- bzw. Instagram-Zeitalter noch größer und wichtiger geworden. Gerade für Luxusmarken hat sich ein wertvoller Markt entwickelt, um sich auch die junge Käuferschaft zu erschließen. Heute leisten sich deutlich mehr Menschen, Taschen und Schuhe von Luxuslabels als einen Blazer, eine Hose oder einen Rock. Das liegt auch daran, dass Accessoires langlebiger sind: Die richtige Tasche oder das richtige Paar Schuhe trägt man wahrscheinlich nicht so schnell kaputt wie einen Rock, je nach Trageverhalten natürlich. Außerdem können Accessoires einen Look komplett verändern. Sie werten einfache Kleidung schnell auf oder lenken sie in unterschiedliche Richtungen. Dann braucht es auch nicht 18 Mäntel im Kleiderschrank oder 30 Hosen, sondern einfach ein paar mehr gute Accessoires. Gerade Taschen sind dafür ein gutes Invest und machen Sinn sowohl aus Styling- als auch aus wirtschaftlicher Sicht.

Wie wählt man das richtige Accessoire beziehungsweise die richtige Tasche aus?

Die perfekte Handtasche gibt es für mich nicht. Am Ende des Tages muss eine Tasche ihren Zweck erfüllen. Fragen wie „Welche Bedürfnisse habe ich und welche Aufgabe muss die Tasche erfüllen?“ und „Wie sehen mein Leben und mein Lifestyle aus?“, helfen dabei. Ich tue mich etwa mit Handtaschen aus Textil im Sinne von Samt oder Baumwolle oder auch mit Wildleder schwer, weil das empfindliche Stoffe sind. Um auf den Zweck zurückzukommen, kann dieser in so einem Fall aber Ästhetik sein. Man muss sich nur klar machen, dass die Tasche dann zum Beispiel den Zweck des perfekten Abendoutfits erfüllt, aber nicht für jeden Tag gemacht ist.

Welche veganen Taschenlabels kannst du empfehlen?

Inzwischen gibt es viele der etablierten Labels, die nicht ausschließlich mit veganem Leder arbeiten aber immer mehr. Das fällt mir nicht nur im Bereich Handtaschen, sondern auch bei Schuhen und Mänteln auf. Schließlich gibt es inzwischen ästhetische Alternativen zu tierischen Materialien, die erstens nicht anders aussehen und zweitens von der Haptik hochwertig sind. Labels wie beispielsweise HVISK arbeiten zusätzlich mit Handtaschen-Accessoires wie abnehmbaren Henkeln. Ein cooles Konzept, wie ich finde – auch was Ästhetik und Langlebigkeit betrifft. So kann man mit einem Taschenkörper und unterschiedlichen Henkeln unheimlich viel kombinieren und so noch mehr aus ein und derselben Tasche herausholen. JW PEI arbeitet ebenfalls mit veganen Lederalternativen. Auch Stand Studio und Nanushka oder Coperni haben vegane Taschen in ihrem Sortiment.

Vegane Handtasche
FOTO ASK Scandinavia

Willow Tote von Ask Scandinavia aus Kaktusleder.

vegane Ledertasche
FOTO HOZEN

Quilted Mini Duffle Bag Grasshopper von Hozen aus Kaktusleder.

Vegane Textil- und Lederalternativen

In den vergangenen Jahren hat die Textilindustrie zahlreiche Alternativen zu tierischem Leder auf den Markt gebracht. Das vegane Leder entsteht dabei häufig aus Nebenprodukten der Landwirtschaft. Folgende Materialien haben sich besonders etabliert:

Apfelleder

Die Basis der veganen Lederalternative ist Trester, ein Abfallprodukt, dass bei der Produktion von Apfelsaft entsteht. Apfelleder ist vegan, wasserabweisend und reißfest. Als Bindematerial wird häufig Polyurethan oder ein biologisch abbaubarer Kunststoffersatz verwendet.

Traubenleder

Wie Apfelleder entsteht Traubenleder aus dem Trester, der beim Pressen von Traubensaft entsteht.

Kaktusleder

Das mexikanische Startup Desserto hat eine nachhaltige und vegane Lederalternative aus Nopal-Kaktus entwickelt. Sie ist lange haltbar, widerstandsfähig, weich und atmungsaktiv. Der Kaktus benötigt außerdem kaum Wasser zum Wachsen, was das Textil besonders umweltfreundlich macht.

Korkleder

Taschen aus Korkleder sind leicht, robust und zeichnen sich durch eine rustikale Optik aus. Optisch unterscheidet es sich deutlich von echtem Leder. Ob Korktaschen nachhaltig sind, entscheiden die zugefügten Textilien und Klebstoffe.

Leder aus Maulbeerblättern

Wie Kaktusleder ist MulbTex frei von Kunststoffzusätzen. Die vegane Lederalternative entsteht aus Maulbeerblättern, die zu einer Art Brei verarbeitet und anschließend getrocknet werden.

Mylo: Leder aus Pilzgeflecht

Die vegane Alternative besteht aus Myzel, dem Pilzgeflecht, das auch im Waldboden vorhanden ist. Das vegane Pilzleder ist widerstandsfähig und haltbar wie echtes Leder. Durch Designer:innen wie Stella Mc Cartney und Marken wie Adidas, gilt das Material heute als beliebter pflanzlicher Lederersatz

Piñatex: Ledern aus Fasern von Ananasblättern

Das vegane Leder besteht aus den Fasern der Ananasblätter. Es ist weich und atmungsaktiv. Das Material enthält ein Bindemittel, das in der Regel auf Erdöl basiert. Damit ist es im Gegensatz zu beispielsweise Kaktusleder, nicht biologisch abbaubar.

PU-Leder und Materialien aus recycelten Kunststoffen

Veganes Leder aus Polyurethan besteht aus Kunststoff. Dennoch ist es gegenüber Echtleder klima- und umweltfreundlicher. Labels wie HVISK haben sich auf Lederalternativen spezialisiert, die aus recycelten PET-Flaschen bestehen. Auch wird Kunststoff nachhaltiger Labels häufig aus Fischernetzen und Ozeanplastik hergestellt.

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