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Abenteuer: Reisen am Limit

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Michael Martin faszinieren die Wüsten dieser Welt. Dass ihn das nebenbei zum Abenteurer gemacht hat, fasziniert viele Menschen an ihm. Ein Porträt mit Tipps für die eigene Abenteuerreise.

Es war einmal …

Der 14-järige Michael begeistert sich für Sternenbeobachtung. Schon früher hat er mit Baukästen Teleskope gebaut, um den Mond, die Ringe des Saturn und den Jupiter anzuschauen. Nun bastelt er sich ein Spiegelteleskop, um den Mars zu beobachten. Michael Martin schaffte es tatsächlich, mit seinem Teleskop die Polkappen auf dem Mars zu erkennen – und stellte sich vor, wie lebensfeindlich der rote Planet sein müsse. Gleichzeitig war er von den Wüsten im All so fasziniert, dass er sie auch auf der Erde erkunden wollte. Was daraus einmal werden würde, ahnte damals niemand.
Mit 17 reiste Michael Martin dann mit einem Freund per Mofa nach Marokko, um die Sahara zu sehen. „Das war eine Fehlplanung“, sagt er heute, „allein die Anreise hat über 5 Wochen gedauert und wir waren dann nur eine Woche in Marokko.“ Aber es ist ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen und gelohnt hat es sich trotzdem: Der Anblick der weiten Sahara machte ihm klar, dass nicht nur der Mars ein Wüstenplanet ist, sondern auch die Erde. Immerhin ist über ein Drittel der Landfläche der Erde von Wüsten und Halbwüsten bedeckt. Nach dieser Entdeckung ließen die Wüsten den jungen Michael nicht mehr los.
Die Reise nach Marokko war sein erstes Abenteuer – und damals war es wirklich noch eines: „Das war Anfang der 80er Jahre, wir hatten kein Internet, keine Reiseführer, kein Kartenmaterial. Ich habe die deutsche Botschaft in Rabat angeschrieben und um Karten gebeten. Die Welt war noch viel unentdeckter.“

Reiseabenteuer
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Eis auf dem Baikalsee. Alle Fotos ohne Filter und Nachbearbeitung.

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Michael Martin unterwegs in einer Wüste im Oman.

Vom Träumer zum Profi

Aus dem Jungen mit seinem Teleskop auf dem Mofa wurde ein Diplom-Geograph und mit der Zeit der renommierteste Wüstenfotograf der Welt. Er hat in mehr als 300 Reisen viermal die Welt umrundet. Großteils wie bei der ersten Reise auf zwei Rädern, aber auch in altersschwachen VW-Bussen und anderen Vehikeln reiste er durch den Kongo, zu den Quellen des Nil, durch die zentralasiatischen Wüsten, deren Namen hierzulande niemand kennt und entlang der Andenkette durch die Atacamawüste, um nur einige seiner faszinierenden Stationen zu nennen. Insgesamt hat er so mehr als 300 Reisen unternommen, die entlegensten Winkel der Erde mit seiner Kamera festgehalten und faszinierende Menschen kennengelernt – allesamt (Über-)Lebenskünstler.

Nach Jahren der Reisen durch Afrika und mehrere Bücher über Länder und Leute dort spezialisierte sich Michael Martin schließlich auf Wüsten, denn sie übten seit der Reise nach Marokko eine besondere Faszination auf ihn aus: „Die Wüste hat für jeden Menschen eine andere Schönheit. Für mich als Fotograf hat sie vor Allem ein traumhaftes Licht. Für den Verliebten ist sie romantisch, für den Reisenden voller Erlebnisse – je nach dem, was man für einen Zugang hat.“ Was ihn an Wüsten magisch anzieht: „Die Abwesenheit von Lärm, von Lichtern, von Verkehr, die Stille, die Reduktion, die Formen, das Grafische fasziniert mich natürlich als Fotograf. Die Wüste ist der perfekte Gegenentwurf zu unserem Leben.“
Michael Martin fängt ein, was niemand sieht, reist dahin, wo niemand sonst hinreist, und hält fest, was vielleicht bald nicht mehr da ist. Dazu zählen Gletscher und Eiswüsten mit bedrohten Bewohnern wie Eisbären genauso wie Kulturen, die den Rändern der Wüsten ihren Lebensunterhalt abtrotzen: „Der Klimawandel macht das Leben der Menschen in Wüstenregionen noch schwerer. Wüsten breiten sich aus, weil Weidegebiete übernutzt werden.“

Abenteuer als Nebeneffekt

Michael Martins Reisen klingen nach Abenteuer pur – und sind es auch oft. Extreme sind keine Seltenheit und Survival-Kenntnisse durchaus gefragt: Feststecken im Salzschlamm der Atacama klingt fast noch angenehm im Gegensatz dazu, in einer Hütte in Kamtschatka eingeschneit zu sein – mit 36 Stunden Schneesturm. Diese Situationen machen aus dem Geografen und Fotografen auch einen Abenteurer – viele fasziniert genau das. Er selbst sagt: „Das Abenteuer ist eine Begleiterscheinung, ich sehe das Abenteuer nicht als Selbstzweck. Die Jagd nach guten Bildern ist meine Motivation, früh aufzustehen, auf einen Berg zu steigen oder in eine Höhle zu krabbeln.“
Es ist die Belohnung, die ihn die Abenteuer auf sich nehmen lässt: Wenn Rentiere im hüfttiefen Schnee auf ihn zulaufen; wenn die Kombination von Himmel, Salz und Mond das perfekte Foto ergibt. Das macht das Abenteuer bei heutigen Reisen aus: Etwas auf sich nehmen, sich dem Unbekannten stellen und dann die Belohnung um so mehr genießen.

Abenteuer Reisen
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Felsen in einer besonderen Lichtstimmung – Wadi Rum, Jordanien.

Komm mit, wenn Du dich traust

Die Lust, einmal eine richtige Wüste zu erleben, haben viele. Aber die vermeintlichen Gefahren halten viele dann doch davon ab. Michael Martin sagt, dass die Wüsten, von politischen Aspekten einmal abgesehen, gar nicht so gefährlich seien, wie viele denken: „Nach Mali oder Niger sollte man nicht fahren. Das ist gefährlich. Aber es gibt so viele sichere Wüstenorte. Auch die Gefahr durch Tiere wird überschätzt. Ich habe auf meinen ganzen Reisen vier Schlangen und drei Skorpione gesehen.“ Er empfiehlt die Namib-Wüste in Namibia als „Einsteigerwüste“. „Da kann man gut im europäischen Sommer hinfahren. Es ist sicher, es gibt keine Tropenkrankheiten und der Himmel ist immer blau.“

Die eigene Abenteuerreise

Selbst wenn Du nicht unbedingt der Wüstentyp bist, auch heute gilt: An die schönsten und unberührtesten Orte der Welt kommt man nicht im bequemen Reisebus. Wir stellen fünf Abenteuer-Anbieter vor:

Tipp 1 – Absolute Abenteuer mit Wandermut

Wenn du gerne richtige Abenteuer erleben möchtest, unvorhergesehene Widrigkeiten und ein „an die eigenen Grenzen gehen“ als Teil des Abenteuers inklusive, solltest du einen Blick auf Wandermut werfen: Tom und Martin aus Köln organisieren Extrem-Expeditionen in abgelegene Gebiete. Expeditionen, keinen Urlaub. Martin sagt: „Wenn man alle Reisemängel zusammennimmt, über die sich die Leute so beschweren, dann kommt das einer Wandermut-Expedition schon ziemlich nah“. Es stehen auf dem Programm: Weit laufen mit schwerem Gepäck, nass werden, Insektenstiche, Blasen an den Füssen, sich selbst versorgen, Schlafen unter freiem Himmel, unbekannte Routen mit unbekanntem Ausgang, Zähne zusammenbeißen, und vieles mehr, was ein echtes Abenteuer ausmacht. Klingt abenteuerlich genug?
Wer mitmachen will, muss sich bewerben und gewisse Fitnesskriterien erfüllen. Vor allem aber gilt: Die Einstellung muss stimmen. Wer bei Wandermut mitgeht, muss hart im Nehmen sein und sich nicht von Widrigkeiten aufhalten lassen. Belohnt wird das mit dem Wissen, eine einzigartige Erfahrung gemacht zu haben. Einen kleinen Vorgeschmack kannst du dir in der zweiten Staffel der Youtube-Serie 7vs Wild holen: 7 Menschen ausgerüstet mit 7 Gegenständen müssen 7 Tage lang 7 Challenges auf einer einsamen Insel in Panama bestehen – Wandermut hat´s organisiert.

Tipp 2 – Wüstenwandern mit Puretreks

Die Philosophie des kleinen, auf Wüstenreisen spezialisierten Anbieters ist: „Echt. Gut. Wandern“. Sicher und gut organisiert, kannst du mit Puretreks die Wüsten dieser Welt von Bolivien bis Island, vom Oman bis in die Mongolei auf einzigartigen Routen fernab der Touristenströme erwandern. Die Touren sind in Kategorien von 1 (Anfänger) bis 5 (sehr schwierig) gegliedert, sodass für jede:n mit Lust auf Wüste, Stille und Auszeit sowie halbwegs guter Fitness etwas Tolles dabei ist.

Tipp 3 – Abenteuer Deutschland

Wenn es dich nicht in die Ferne zieht, musst du auf tolle Aktiv-Abenteuer wie draußen schlafen, wunderschöne Wandertouren, Kayakfahrten und sogar eine Lamawanderung nicht verzichten. Green Adventures bietet Outdoor-Abenteuer in Hülle und Fülle: Alle in Deutschland, gut organisiert, sicher und familienfreundlich.

Tipp 4 und 5 – Organisierte Abenteuer auf der ganzen Welt

Was Puretreks für Wüsten ist, sind Globetrotter Abenteuer und Wikinger Reisen für alle anderen Landschaftsarten: Ob lange Touren zu Fuß und per Kayak durch Patagonien, Radtouren über Neuseeland, Kameltrekking in Marokko oder eine Dschungelwanderung in Südasien, egal ob Gruppen, Familien oder Individualreisende. In verschiedenen Schwierigkeitsstufen kannst du mit diesen beiden Anbietern so gut wie die ganze Welt bereisen. Auch die „Einsteigerwüste“ Namib ist dabei. Die Routen sind klassisch bis ausgefallen, es gibt abenteuerliche Varianten und solche mit mehr Komfort. Wer dort kein passendes Abenteuer findet, möchte keins machen.

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