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Thermalquellen: heiße Wunder der Natur

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Ob am Rande eines Waldes, zwischen verschneiten Bergen oder umgeben von Lavafeldern: Natürliche Thermalquellen bieten ein Rundum-Erlebnis, bei dem sich Körper und Geist auf eine besondere Art regenerieren.

Die Augen geschlossen. Ein tiefer Atemzug. Die frische Luft durchflutet deine Lungen. Ein Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit überkommt dich und du tauchst noch etwas tiefer in die wohlig warme Umarmung des Wassers. Du spürst, wie seine heißen Dämpfe dein Gesicht umspielen, während du dem Plätschern lauschst. Die Zeit steht still. Erholung und die innere Ruhe dominieren den Augenblick. Wo diese Impression wirklich werden kann? Wir zeigen die eindrucksvollsten Thermalquellen.

Onsen – Japans vulkanische Naturbäder

Einfach die Seele baumeln lassen – das gelingt in einer von über zweitausend natürlichen Thermalquellen in Japan, dort auch bekannt als Onsen. Von Norden bis Süden erstrecken sich die heißen Quellen in vulkanisch aktivem Gebiet. Abgelegene Onsen unter freiem Himmel werden auch „Rotenburo“ genannt und überzeugen meist mit besonderem Charme. Sie bieten einen reizvollen Ausblick auf die umgebende Landschaft, die die Rundum-Erholung perfekt macht. Zudem ist hier der Kontrast von Außen- und Wassertemperatur oft extremer. An Orten wie Hokkaido mit eher sibirischem Klima regen Thermalquellen von über 40 Grad den Stoffwechsel und Kreislauf an – ähnlich wie beim Eisbaden nach der Sauna. Die Abwechslung von kalt und heiß macht solche Quellen allerdings zum temporären Badevergnügen. Onsen in subtropischen Gebieten wie Okinawa-Archipel, die eine Wassertemperatur von unter 40 Grad besitzen, lassen die Zeit stillstehen und bringen stundenlange Erholung für Körper und Geist.

Thermalquelle im Herbst
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Thermalquelle des Jigokunuma-Teich am Rande eines vom Herbst gezeichneten Waldes.

 

Thermalquelle in Japan
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Heiße Quelle in Beppu, Japan: Sie gehört zu „Beppu Hatto“, einer Gruppe von acht Thermalquellenstädten.

Natürliche Therme im Höllental für Mensch und Tier

Die regelmäßigen Besuche von natürlichen Thermalquellen gehören in Japan oftmals zur Routine einer gesunden Work-Life-Balance dazu. Im Einklang mit der Natur und von wärmendem Gewässer umgeben zu sein, befreit von Alltagsstress. Eine Badekultur, die bereits seit Jahrhunderten ausgeübt wird. Aber die spektakulären Quellen sind nicht nur bei Einheimischen und Reisenden beliebt, sondern auch bei den Japan-Makaken, bekannt als Schneeaffen. Im Joshinetsu-Tal, auch Höllental genannt, ist in den Wintermonaten eine wahre Traumkulisse. Die kleinen Ortschaften, Waldgebiete und Berge sind von Schnee zugedeckt. In den Wäldern oberhalb des Tals leben auch die Japan-Makaken, die in der kalten Jahreszeit den heißen Thermalquellen gern einen Besuch abstatten. In den Morgenstunden trauen sie sich hinab ins Tal, um sich ein wärmendes Bad bei einer Temperatur von bis zu 42 Grad zu genehmigen. Inmitten von Dampfwolken sitzen Affen im natürlichen Wasserbecken – ein einzigartiges Bild, das viele Touristen:innen anlockt. Damit sich Mensch und Tier die warmen Quellen nicht teilen müssen, wurde 1964 der Jigokudani Monkey Park mit extra Bade-Becken für die Makaken ins Leben gerufen. Bei einem rund 20-minütige Fußweg durch den Park können Reisende die badenden Affen mit ausreichend Abstand bestaunen.

Japan-Makaken in Thermalquelle
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Japan-Makaken während eines Bades in einer heißen Quelle des Höllentals.

Natur-Therme als Heilquelle

Ein Bad in einer natürlichen Quelle ist ein Erlebnis für Sinne und Gesundheit. Der Körper entspannt, regeneriert und reinigt sich selbst. Allein eine Wasserwärme von mehr als 36 Grad hilft dabei, Muskelverspannungen zu lösen. Die meisten natürlichen Thermalquellen enthalten verschiedene Mineralien, die sich insbesondere in der Zusammensetzung unterscheiden. Salz, Schwefel, Eisen, Kalzium oder auch Kalk sind oftmals Teil des Mineral-Mixes im Wasser. Ein Bad darin lässt den Blutdruck sinken und regt den Stoffwechseln an. Zudem kann es laut Wissenschaft bei Gelenkserkrankungen, Atemwegsbeschwerden oder Hautproblemen helfen. Bereits in der Antike wurde in den heißen Quellen gebadet. Damit zählen Thermalquellen wohl zu einer der ältesten Heilmethoden der Weltgeschichte.

Andere Länder, andere Thermalquellen

Neben den Onsen in Japan gibt es natürlich auch in anderen Ländern heiße Quellen inmitten von eindrucksvoller Natur-Landschaft.

Thermalquelle in Toskana
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Saturnia, Italien: In der Cascate del Mulino können Besucher das ganze Jahr über baden.

Wasserfall einer Thermalquelle in Toskana
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Die kleinen Wasserfälle sorgen bei einem Bad für eine angenehme Beschallung.

Cascate del Mulino in Italien – Wasserfälle, die in Thermalbecken münden

In einem Wasserfall baden – eine Vorstellung, die wohl jedem von uns gut gefällt. In der südlichen Maremma der Toskana, genauer Saturnia, ist das möglich. Bei der Cascate del Mulino Schwefelquelle mit vulkanischem Ursprung fließen pro Sekunde bis zu 800 Liter Thermalwasser herunter. Das sammelt sich in den unterschiedlich großen und tiefen Felsbecken am Fuße des Wasserfalls. Mit einer angenehmen Wassertemperatur um die 37 Grad und dem beruhigenden Plätschern lässt es sich eine ganze Weile in den kleinen „Pools“ aushalten. Ein Ort der Erholung und Heilung: Der hohe Schwefelgehalt wirkt sich besonders positiv auf Atemwegserkrankungen, Hautprobleme und die Durchblutung aus.

Thermopylen in Griechenland – Thermalquelle mit historischer Bedeutung

Damals ein Engpass mit militärischen Konflikten, heute Ort mit heilenden Quellen: Die sogenannten „Heißen Pforten“ im Norden Athens sorgen mit ihrem Schwefelgehalt für ein reines Hautbild und lassen die Muskeln entspannen. Unter einem künstlich erschaffenen Wasserfall kann das Gewässer im Flussbett der Thermopylen bis zu 42 Grad heiß werden.

Versteinerter Wasserfall in Oaxaca
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In seiner Schönheit versteinert: In Hierve el Agua, Mexico, erscheint der Wasserfall auch ohne Wasser spektakulär.

Infinity Pool in Oaxaca
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Der natürlichen Infinity Pool von Hierve el Agua bietet ein unvergessliches Panorama.

Hierve el Agua in Mexico – Infinity Pool, von der Natur erschaffen

Ein versteinerter Wasserfall mündet in Naturbecken inmitten einer Gebirgslandschaft: Hierve el Agua ist ein echtes Naturphänomen. Entstanden ist der wasserlose Wasserfall durch mineralische Ablagerungen, die man in ihren krustenförmigen Zustand Sinter nennt. Durch das gebirgige Umland in Oaxaca konnten sich an den Hängen ebenfalls mineralhaltige Becken formen, gefüllt mit strahlend blauem Thermalwasser. Mit nur um die 24 Grad ist die Quelle zwar weniger heiß, aber der Ausblick ist sehr eindrucksvoll.

Thermalquellen-Terrassen in Türkei
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Die sogenannten Sinterterrassen wirken durch die türkisfarbene Wasser und weißen Felsbecken fast  schon unecht.

Pamukkale in der Türkei – 2000 Jahre alte Sinterterrassen

Das gleiche Phänomen gibt es bereits seit etwa zweitausend Jahren auch in der Türkei, genaugenommen in der Stadt Pamukkale. Dort erstrahlen die Becken wegen ihres hohen Kalk-Gehaltes weiß und das Wasser türkisblau. Die Mineralmischung kann zudem Kreislauf- und Herzbeschwerden, Rheuma sowie Hautprobleme lindern.

Blaue Lagune
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Blaue Lagune in Island: Den Namen hat diese Thermalquelle seiner Wasserfarbe zu verdanken.

Frau in Blauer Lagune
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Pure Erholung. Das Wasser der blauen Lagune ist sowohl heiß als auch heilend.

Blaue Lagune in Island – ein Naturpool inmitten von Lavafeldern

Ein Highlight: Die Blaue Lagune auf der Reykjanes-Halbinsel. Die umgebene Landschaft beeindruckt das ganze Jahr über. Lavafelder und zur kälteren Jahreszeit schneebedeckte Gipfel bringen die badenden Gäste zum Staunen. Dieses Thermalbad gilt als heilend bei Hautkrankheiten. Es enthält Mineralsalze, Algen und Kieselerde. Letztes ist auch für die ikonisch blaue Farbe des Wassers verantwortlich.

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