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Zeitgeist

Die stecken Plastik natürlich in die Tasche

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Schritt für Schritt weg vom Kunststoff, ohne etwas zu vermissen: Wir zeigen, wo Luffa-Gurke, Holz, Glas oder Edelstahl besser sind als Plastik – und wie Apps dir dabei helfen, plastikfreier zu werden

Die Fränkin Nadine Schubert hat sich Plastik-Freiheit zur Lebensaufgabe gemacht. Sie gibt Tipps in ihrem Blog „Besser leben ohne Plastik“, schreibt Bücher zu diesem Thema, hält Vorträge und gibt Workshops. Sie möchte nicht belehren, sondern aufklären. Und das: faktenreich und lösungsorientiert. Denn jeder kann schon mit kleinen Veränderungen im Alltag dazu beitragen.

Weniger Plastik verbrauchen zu wollen, hat sie vor etwa acht Jahren über Nacht entschieden: Nachdem sie eine Reportage über Plastikmüll und die schädlichen Inhaltsstoffe für Mensch und Umwelt gesehen hatte, ließ sie das Thema nicht mehr los. Ab diesem Zeitpunkt reduziert sie ihren Plastikmüll: Sie geht in Unverpacktläden, meidet Einmalverpackungen und Produkte, die Mikroplastik enthalten. Pro Woche, erklärt die Autorin in ihren Büchern, nehmen wir in Deutschland durchschnittlich so viel Mikroplastik zu uns, wie eine Kreditkarte wiegt „Wenn jeder ein bisschen auf die Vermeidung dieser Dinge achtet, tut sie oder er viel für sich selbst, die eigene Gesundheit, die der Kinder und letztlich der Umwelt“, erklärt Nadine Schubert. Wie dir das Schritt für Schritt auch gelingt, zeigen unsere Tipps.
Entscheidend ist: anzufangen! Denn es sind die vielen kleinen Schritte, die in der Summe ihre Wirkung entfalten.

Nachhaltige Plastikalternativen: Plastikfrei leben
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Mit dem Netzbeutel und leeren Dosen im Unverpacktladen einkaufen: Wer nachhaltig leben möchte, sollte das zumindest mal ausprobieren

Nachhaltige Plastikalternativen: Plastikfrei leben
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Zum Putzen reichen oft wenige (Haus-)Mittel – ein Lappen aus Bambus und Essigessenz kriegen fast jede Küche blitzblank

Plastikfrei in der Küche

Beim Kochen werden oft Schneidebrettchen aus Plastik verwendet, da viele Menschen das Gefühl haben, dass diese hygienischer wären. Aber das Gegenteil ist der Fall: Plastik verkratzt schnell. In den Ritzen können sich Keime ansiedeln. Holz funktioniert da weitaus besser: Es ist von sich aus antibakteriell und das nicht nur an der Oberfläche, sondern auch im Inneren. Auch aus Reishülsen werden wasserabweisende, hitzebeständige und kaum fleckenanfällige Schneidebretter hergestellt.

Bleibt nach dem Kochen noch Essen übrig, kommt es oft in die Vorratsdose aus Plastik. Meist haben Plastikdosen im Haushalt kein besonders langes Leben, da sie sich schnell verfärben, schmierig werden oder unangenehme Gerüche annehmen. Eine gute Alternative ist Edelstahl. Dieses Material ist hygienischer, farbecht und bleibt geruchsneutral. Damit ist es beständiger, was auf Dauer auch den Geldbeutel schont. Ähnliche Vorzüge bietet Glas. Hinzu kommt, dass hierfür nicht mal Anschaffungskosten anfallen müssen, da es aus ehemaligen Marmeladen -oder Konservengläsern einfach recycelt werden kann. Dazu das Glas auskochen, gegen Restgeruch im Glas oder Deckel hilft ein Kaffeebad über Nacht. Übrigens: Glas- und Edelstahlbehälter kannst du auch gefahrlos einfrieren.

Wer die Frischhaltefolie vermisst, kann auf in Bienenwachs getränkte Tücher zurückgreifen. Diese sind keimtötend, atmungsaktiv und mehrfach verwendbar. Sie können nach dem Gebrauch einfach abgewaschen werden.

Plastikfrei putzen

Die nächste Plastikfalle lauert beim Abwasch. Der konventionelle Spülschwamm ist oft aus Kunststofffasern. Stattdessen kannst du Schwämme mit Sisal oder die Luffa-Gurke nutzen. Die Luffa-Gurke ist eine Kürbispflanze, deren getrocknetes Fruchtfleisch wie ein Schwamm wirkt. Auch Bambus als Material punktet hier. Er ist antibakteriell und hypoallergen und kann als Haushaltslappen oder Ersatz für die Küchenrolle genutzt werden.

Vor eine weitere Herausforderung stellt uns das Spülmittel. Es enthält meist Mikroplastik und weitere kritische Chemikalien. Auch sein Behälter ist oft aus Plastik. Gleiches gilt für viele andere Reinigungsmittel. Doch: Genauso gut wie chemische Reiniger wirken Hausmittel wie Natron, Essigessenz, Zitronensäure und Kernseife. Zudem sind diese auch noch wesentlich günstiger.

Natron neutralisiert Gerüche und ist fettlösend. Essigessenz oder Zitronensäure wirken zusätzlich antibakteriell und desinfizierend. Ergänzt durch die Kernseife können sie fast jede zu putzende Alltagshürde meistern, da Kernseife dem selbstgemachten Reiniger die richtige Konsistenz gibt und selbst eine starke Putzkraft hat.

Mit Natron lässt sich zum Beispiel der Teppich oder die Toilette reinigen, und es ersetzt die Scheuermilch. In Kombination mit Natron und Essigsäure ist schnell ein natürlicher Abflussreiniger hergestellt. Mischst du Kernseife mit Natron und Wasser, entsteht ein ökologisches Spüli. Wer sich noch einen angenehmen Geruch dafür wünscht, gibt ein paar Tropfen ätherisches Öl dazu.

Plastikfrei einkaufen

Hast du weder Zeit noch Lust, Putzmittel selbst herzustellen, kannst beim Einkauf zu ökologischen Alternativen greifen. Es gibt fertige Putzmittel in Tab-Form, diese können mit Wasser in eigenen Behältern aufgelöst werden. Sie sind ökologisch, leichter und sparen Platz. Einige Marken produzieren bereits ökologisch, mit biologisch abbaubaren, pflanzlichen Substanzen und ohne Mikroplastik. Dafür lohnt es sich, eine App zu installieren, die via Strichcode die Inhaltsstoffe des jeweiligen Produkts anzeigt – wie etwa ToxFox, CodeCheck oder Giftfrei einkaufen.

Zwar sind Plastiktüten im Supermarkt seit 2022 verboten, doch ist auch die Ökobilanz von Papiertüten ernüchternd. Zur Stabilität werden chemisch behandelte Fasern eingesetzt und die Herstellung von Zellulose ist sehr wasser- und energieaufwendig. Um diese Klimabilanz auszugleichen, müsste die Papiertüte folglich dreimal so oft genutzt werden wie die konventionelle Plastiktüte.

„Die Verbraucher denken, sie tun etwas Gutes, aber es ist das Gegenteil davon“, sagt Katharina Istel, Nachhaltigkeitsexpertin beim Naturschutzbund Deutschland. Am besten ist daher wohl, zum Einkaufen einfach seine eigene Tüte mitzubringen.

Inzwischen gibt es auch immer mehr Unverpackt-Läden, in denen du dir genau die Mengen abfüllen kannst, die du wirklich brauchst. Die Seite des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zeigt auf einer Karte den nächstgelegenen Unverpackt-Laden an – bundesweit.

Nachhaltig reisen lokaler Markt
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Obst und Gemüse kaufst du am besten regional und unverpackt – etwa wie hier auf dem Wochenmarkt.

5 Plastikfrei-Tipps auf einen Blick

  1. Feste Seife: Statt Shampoo und Duschgel aus der Plastikflasche empfiehlt es sich, zu festen Seifen zu greifen. Hand- und Körperseifen, Haar- und Gesichtsseifen gibt es mittlerweile in unterschiedlichsten Duftsorten, umweltschonend verpackt und frei von Mikroplastik und Erdöl: Für eine 250-ml-Flasche Shampoo werden 1,1 Liter Erdöl benötigt.
  2. Plastikfreie Kosmetik-Produkte: Von wiederverwendbaren Q-Tips über Abschminkpads aus Bio-Baumwolle bis zu Zahnseide aus Maisseide – viele Kosmetik-Produkte gibt es als Mehrwegprodukte ganz ohne Kunststoff.
  3. Plastikfrei Schritt für Schritt: Auf Kunststoff zu verzichten ist ein Prozess. Kleine Schritte führen zum Ziel. Sich vorzunehmen, von heute auf morgen plastikfrei zu leben, funktioniert nicht. „Anfangen und dranbleiben“ lautet die Devise.

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