© Iris van Herpen

Mode

Papercutting Art trifft auf Haute Couture

© Iris van Herpen

Der Künstler Rogan Brown erschafft Skulpturen aus Papier. Papercutting Art heißt diese Kunstform. Für die niederländische Mode-Designerin Iris van Herpen nutzt er dieselbe Paper-Cutting-Methode, allerdings mit einem anderen Rohstoff: Recyceltes Meeres-Plastik. Das Ergebnis: kunstvolle Haute Couture, die ganz nebenbei auch noch gut für die Umwelt ist.

Rogan Brown macht Kunst aus Papier

Wenn Rogan Brown durch die Natur streift, zerlegt er sie auf seinem Skizzenblock in ihre kleinsten Teile. Hinter Wäldern, Bäumen, Ästen und Blättern sieht er das, was unserem Auge eigentlich verborgen bleibt: Atome und Moleküle, Zellen, Organismen und Mikroben, die kleinsten Bausteine, aus denen alles um uns herum besteht. Zurück in seinem Atelier erschafft der britische Künstler aus seinen Zeichnungen filigrane, dreidimensionale Skulpturen – und zwar nur aus Papier. Per Hand oder mit einem Laser schneidet er mehrere Schablonen aus und klebt sie anschließend mit millimeterdünnen Abstandhaltern aus Schaumstoff übereinander. Papercutting Art, oder einfach nur Papercutting oder Papercut Artwork, nennt sich diese Art der Papiergestaltung. Eine uralte Kunstform, die unter dem Namen Jianzhi in China schon seit dem 4. Jahrhundert n.Chr. praktiziert wird. Für Rogan ist Papier das optimale Medium, um die zarten Strukturen einzufangen, die er abbilden will. Nur für die niederländische Designerin Iris van Herpen hat er eine Ausnahme gemacht – und Kleider aus recyceltem Plastik ausgeschnitten.

Papercutting Art von Rogan Brown.
© Rogan Brown

Eine Papercut-Skulptur von Rogan Brown.

Die erste Kollektion aus Papercut Artwork

„Earthrise“ heißt die Kollektion, für die Rogan insgesamt drei Kleider entworfen hat. Als Material diente der Ocean-Plastic-Stoff der Umweltorganisation Parley of the Ocean. Der Stoff besteht aus Plastikresten, die geschreddert und zu Garn verarbeitet werden. Plasticcutting, statt Papercutting also.

Abgesehen vom Material, ging Rogan beim Entwerfen seiner Kleider aber genauso vor wie bei seiner Kunst: „Ich lieferte erste Designs, die Iris van Herpen an den menschlichen Körper anpasste, und schnitt dann die Materialien per Laser aus“, erinnert er sich. Wie auch seine Skulpturen sind die Kleider von Rogan dreidimensional, aus einzelnen Schablonen aufeinandergeschichtet, die Designs von der Struktur von Organismen, Zellen und Mikroben inspiriert. Für Rogan ist das seine Art, die Natur abzubilden und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Auf die Idee kam er, als er von London in eine abgelegene Gegend Frankreichs zog und viele ausgedehnte Spaziergänge in den Wäldern dort machte.

Mit den filigranen Designs und dem Ocean-Plastic-Stoff soll die Earthrise Kollektion auf die Zerbrechlichkeit unseres Planeten aufmerksam machen, aber auch zeigen, wie Innovationen dabei helfen können, Probleme in Chancen umzukehren. Schließlich hat es Rogan geschafft, mit der Papercutting-Technik Müll in Haute Couture zu verwandeln.

Ein Kleid aus Papercutting Art.
© Iris van Herpen

Die Kleider für die Earthrise-Kollektion hat Rogan aus recyceltem Plastik ausgeschnitten.

Ein Kleid aus Papercutting Art.
© Iris van Herpen

Auch bei seinen Papercut-Kleidern hat sich Rogan von Mikroben und Organismen inspirieren lassen.

Papercut Artwork braucht Zeit

Rogans Papercut-Kleider haben es mittlerweile auf die roten Teppiche von so prestigeträchtigen Events wie der Met-Gala geschafft, Promis lieben es, mit den ausgefallenen Stücken die Blicke auf sich zu ziehen. Seine Papercutting-Kleider stellen dabei auch einen künstlerischen Gegenentwurf zu Fast-Fashion dar. Denn jedes Stück ist ein Unikat, an dem Rogan monatelang gearbeitet hat.

Auch für seine Papercutting Skulpturen braucht Rogan oft wochen- bis monatelang. Doch das macht ihm nichts aus, im Gegenteil: Die Zeit, die er für ein Kunstwerk aufwendet, ist für ihn ein Schlüsselelement seiner Arbeit. Denn so langsam wie die Organismen, die Zellen und das Leben um uns herum wachsen, so langsam sollen auch seine Skulpturen entstehen: „Jeder Schnitt ist ein Moment, jedes Blatt ein Monat, jede Skulptur eine Jahreszeit“, sagt er.

Katrin Brahner
Autorin Katrin Brahner

Katrin hat in Berlin Publizistik studiert und schreibt seit drei Jahren als Redakteurin im Lifestyle-Bereich. Wenn sie nicht gerade die weite Welt bereist, übt Katrin Kopfstand auf ihrer Yogamatte, oder ist auf der Suche nach den neuesten Innovationen und Health-Trends. Deshalb schreibt sie bei kronendach für die Rubriken Travel, Mindfulness und Zeitgeist. Nach Feierabend findet man sie meistens mit einer Matcha Latte in der Hand durch die Straßen Hamburgs spazieren.

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