FOTO Sunglider AG

Innovation

Smarte Verkehrswende und die neue urbane Mobilität

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Solar-Schwebebahnen, Solarautos und E-Busse – wie die Verkehrswende mit neuen Technologien den öffentlichen Nahverkehr verändert.

Dieter Otten und seine Teams aus Osnabrück und Warschau haben einen Traum: Ein Verkehrssystem entwickeln, das sich komplett mit Solarenergie versorgt. Ein Traum, der schon in naher Zukunft im öffentlichen Verkehr Realität werden könnte. Denn der Professor gehört zu den Gründern des Start-ups „Sunglider AG“: ein Osnabrücker Unternehmen, das die erste klimaneutrale Schwebebahn in Deutschland entwickelt hat – den „Sunglider“. Die Schwebebahn bezieht ihre Energie aus Solarzellen, fährt danke einer künstlichen Intelligenz ganz ohne Fahrer:in und besteht aus nachhaltigen Baumaterialien. Eine Innovation, deren Idee Dieter Otten bereits vor einigen Jahren kam. „Ich habe mich an ein Projekt erinnert, das ich in den 90er-Jahren für die Weltausstellung 2000 in Hannover entwickelt habe, das aber nicht zum Zug gekommen ist. Das war eine Solarschwebebahn. Eine Institution aus Osnabrück, an der auch die Stadt Osnabrück beteiligt ist, fragte das Projekt an. Die Antwort war eine 80-seitige Studie dazu und das Ergebnis daraus ist der ‚Sunglider‘, so wie er heute ist“, erzählt der Soziologe im persönlichen Gespräch mit kronendach. Die Metro soll die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs revolutionieren und damit eine neue Urbanität schaffen. „Knapp 70 Prozent der Menschen leben in Deutschland in Städten, aber nur 15 Prozent in Großstädten. Die meisten leben in Städten unterhalb der Millionengrenze. Gerade solche Städte haben oft einen sehr schlechten ÖPNV deshalb liegt der Fokus von uns auf mittelgroßen Städten“, erklärt Dieter Otten. Der „Sunglider“ soll perspektivisch eine Metro sein, die genau diese Städte und ihr Umland physikalisch zusammenwachsen lässt. Wie in London, Berlin oder Paris leistet der „Sunglider“ dann einen großen Beitrag zur Entstehung der sogenannten neuen Urbanität.

Der "Sunglider" bei Nacht.
FOTO Sunglider AG

Die Solarenergie wird in dem Stromnetz gespeichert und kann so auch nachts als Energielieferant für den „Sunglider“ verwendet werden.

„Sunglider“ als Vorreiter für die Verkehrswende

Die smarte Metro soll in Zukunft den Mittelpunkt des deutschen ÖPNV bilden und den Bürger:innen kostenlos zur Verfügung stehen. Dabei setzt das Unternehmen auf neue und vor allem nachhaltige Technologien. So besteht das Solardach des „Sungliders“ aus wabenartigen Holzelementen, die in ihrer wellenartigen Form an ein Kronendach erinnern sollen. In denen befinden sich Photovoltaik-Module. Die Waben sind nach oben gebogen und nehmen so die Strahlung der Sonne in die Solarzellen auf. „Das Energiemanagement aller Motoren läuft mit Gleichstrom. Der wird über die Photovoltaikanlagen gewonnen“, erklärt der Start-up-Gründer gegenüber kronendach. Dies sei ein großer Vorteil, verglichen mit der üblichen Stromversorgung der Städte. In der Regel werde Wechselstrom in öffentlichen Stromnetzen verwendet. Der Prozess habe einen hohen Preis und koste Energie. Durch die innovative Dachkonstruktion der Metro ließe sich die erneuerbare Energie dort, wo sie genutzt wird, auch direkt verwenden. „Der Gleichstrom wird mit Induktion in den Fahrzeugen gespeichert. Die Fahrzeuge halten an den Haltestellen für 45 Sekunden an. In dieser Zeit werden die Speicher des ‚Sungliders‘ aufgeladen und die Energie hält bis zur nächsten Haltestelle. Dort wiederholt sich der Vorgang“, erzählt Dieter Otten. Die Speicherung der erneuerbaren Energie in den Metrowaggons sei mit speziellen Batterien möglich. Besonders überraschend: Der „Sunglider“ fährt auch bei Nacht, weil der über Tag gewonnene Strom im Stromnetzwerk gespeichert wird. Bei Bedarf lässt sich die Energie nachts für die Metro daraus abrufen.

Künstliche Intelligenz als Instrument für die Verkehrswende

Die Waggons des „Sungliders“ sind kleiner als die von gewöhnlichen Straßen- oder U-Bahnen, in einen der Waggons sollen etwa 32 Menschen passen. Gesteuert wird die Metro von einer künstlichen Intelligenz (KI). „Die KI lernt, wann und wo sich die Menschen aufhalten, um die Metros zur passenden Uhrzeit an die richtige Stelle zu fahren. Das funktioniert über Google-Geodaten, die gesammelt werden“, sagt Otten. So fahre der „Sunglider“ nur, wenn wirklich Bedarf ist und spare, im Ruhemodus Energie. Künstliche Intelligenz wird aber nicht nur als „Koordinator“ eingesetzt, sondern von dem Unternehmen auch als Fahrzeugbauer. Die Produktion der Metrowagen findet mithilfe einer KI in einem 3D-Drucker statt. Die Komponenten werden von Hand und mit kleinen Robotern zusammengesetzt. Das Material für die Wagen besteht aus Hanf-Harz und weiteren natürlichen Verbundwerkstoffen, die komplett recycelbar sind. Neben der Osnabrücker-Schwebebahn sollen zu dem „Sunglider“ auch noch KI-gesteuerte Busse und Elektrobikes für die „letzte Meile“ nach Hause angeboten werden. Verkehrsmittel des öffentlichen Nahverkehrs, die alle mit Solarzellen und künstlicher Intelligenz betrieben werden sollen. Eine Idee, erneuerbare Energien für die Mobilität zu nutzen, die auch in der Automobilbranche immer beliebter wird. Elektroautos gehören inzwischen zur neuen Mobilität und versuchen nach und nach, die Autos mit Verbrennungsmotor in der Stadt abzulösen.

Der Moosfilter im "Sion".
FOTO Sono Motors

Optisch und technisch ein Highlight: Der Bio-Moosfilter im „Sion“ von „Sono Motors“ filtert nachhaltig Feinstaub. Insassen können das Bio-Moos von Innen betrachten.

Solarautos – Klimaschutz durch die Verkehrswende

Auch wenn Elektromobilität zum Klimaschutz beitragen soll, ist E-Mobilität, ob in Form von eigenen Autos, oder im ÖPNV bislang noch umstritten. Der Grund dafür ist, dass das Stromnetz bisher noch nicht richtig darauf ausgelegt ist, die Energie für die Elektromotoren aus dem Netz zu gewinnen und die Batterien den Fahrzeugen oft keine große Reichweite für längere Wege ermöglichen. Eine Alternative, die Stromnetze zu umgehen, sind Autos mit Solarenergie. So wie der„Sion“des Pioniers der E-Autos „Sono Motors“. Das Elektroauto hat 54 kWh, lädt sich selbst über die Energie der Sonne und erreicht eine Reichweite von bis 305 Kilometern. Das Besondere: Im Vergleich zu Elektroautos wie der „Tesla“ ist der „Sion“ von „Sono Motors“ ein preiswertes Elektroauto mit rund 456 Solar-Halbzellen verteilt in der gesamten Karosserie. Laut Hersteller „Sono Motors“ kann der „Sion“ 112 km (bis zu 245 km) pro Woche zusätzliche Reichweite durch reine Sonnenenergie erzeugen. Geladen wird der „Sion“ über Schnellladestationen, die das Elektroauto innerhalb von 35 Minuten laut „Sono“ bis zu 80 Prozent aufladen sollen. Die Stationen für den „Sion“ seien überall in Europa zugänglich, außerdem bestehe die Möglichkeit, das Auto an Haushaltssteckdosen oder an einem anderen „Sion“ zu laden. Außerdem hat der „Sion“ einen Bio-Moosfilter gegen Feinstaub, der ins Design des Innenraums integriert ist.
Bislang gibt es den „Sion“ von „Sono“ nur als Testwagen. Die Produktion der Serie des Autos wurde von „Sono Motors“ erst zu Beginn des Jahres auf Anfang 2024 terminiert. Dabei feierte das deutsche Unternehmen bereits 2021 erste Erfolge an der „Nasdaq“, die größte Börse der Welt mit Sitz in New York. Der Gang an die Börse war der damalige Startschuss für das Münchner Start-up „Sono Motors“, sich mit ihrem „Sion“ auf dem Markt zu etablieren und so ihren Teil zur Mobilitätswende beizutragen.

Ist die Mobilitätswende nur mit einem Kulturwandel möglich?

Doch um die Verkehrswende perspektivisch umzusetzen, also einen grundlegenden Umbau des Verkehrssystems durchführen zu können, bedarf es nicht nur die bloße Existenz von smarter Technologie und nachhaltiger Lösungen, sondern vor allem ein Umdenken in den Köpfen der Gesellschaft. Damit eine Mobilitätswende erfolgreich ist, muss laut der „Bundeszentrale für politische Bildung“ ein Kulturwandel passieren. Das bedeute, dass zum Beispiel aufgrund der Platzknappheit in den Städten und dem umweltschädlichen Verkehr veraltete Paradigmen wie der Besitz eines eigenen Autos überdacht werden müssen. Eine Lösung im Sinne der Verkehrswende sei, den öffentlichen Verkehr einzuschränken, indem Menschen auf Alternativen wie beispielsweise Carsharing, nachhaltige Busse oder andere klimaneutrale Verkehrsmittel zurückgreifen. So könnte der Gemeinschaftsgedanke ein erster Schritt auf dem Weg in Richtung Mobilitätswende sein und ein Kulturwandel das erste Ziel vor der eigentlichen technischen Umsetzung der Verkehrswende.

Jennifer Felmet
Autorin Jennifer Felmet

Kopenhagen, Paris, London – das pulsierende Leben in Städten lässt Jennis Herz höherschlagen. Seit vier Jahren ist sie als Online-Redakteurin im Lifestylebereich tätig und immer auf der Suche nach den neuesten Fashion-Trends, faszinierenden Designs und coolen Food-Spots. Deswegen schreibt sie leidenschaftlich gerne über Themen aus den Bereichen Fashion, Beauty, Design oder Food. Ihr morgendlicher Kaffee mit Hafermilch gehört zu ihren täglichen Ritualen, genauso wie ein Spaziergang an der Elbe in Hamburg.

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