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Zeitgeist

Mit Stroh-Kunst zurück in die Zukunft

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Sie verflechtet Vergangenheit mit unserer heutigen Welt – mit Kunst aus Reisstroh. Dank der japanischen Künstlerin Arko rückt ein traditionelles Material in neuer Form wieder ins Rampenlicht.

Für die 43-jährige japanische Künstlerin Arko ist Stroh das erste, was ihr in den Sinn kommt, wenn sie an ihre Kindheit denkt. Dabei hat sie nicht immer damit gearbeitet. Ihre Künstler-Karriere begann 2002 mit Aquarellfarben und digitalen Collagen. Kein Wunder: Zu dieser Zeit war sie als Designerin und Illustratorin tätig. Aber Arko wollte etwas Neues schaffen – etwas, das nur sie machen konnte. So entschied sie sich, mit Stroh Kunstwerke zu nähen.

„Ich arbeitete an meinen Kunstwerken wie an einer Zeichnung. Gerade Strohhalme verwendete ich als Linie. Ich dachte, ich könnte so eine Skulptur schaffen, die wie eine erweiterte Version eines Bildes aussieht“, sagt Arko und fährt fort: „Also habe ich versucht, den Strohhalm auf die Leinwand zu nähen und die Länge des Strohhalms anzupassen, um ihn zu formen. So habe ich meinen heutigen Stil gefunden.“

Mit Reisstroh Kunstwerke nähen

Der Weg zu ihrem Kunstwerk ist nicht durchgeplant, folgt keinem definierten Ablauf. Das liegt auch am Material: Stroh ist naturgemäß uneinheitlich – die Dicke und Länge jedes Halms variiert. Arko ist dem überlassen, was ihr die Natur in dem Moment gibt. Sind es viele zarte Strohhalme, so entsteht ein weicher Eindruck. Dicke Strohhalme lassen das Werk wild erscheinen.

Die Inspiration für ihre Werke bekommt Arko aus der modernen Welt. „Ich sehe mir jeden Tag Filme oder Serien an. Wir können eine Umgebung von Figuren erleben, die wir selbst nie erfahren würden. So bekommen wir einen Einblick in eine unbekannte Welt“, beschreibt sie die Verflechtung von vielen Handlungssträngen, und Reizen über Reizen. „Diese Geschichten sind in meinen Werken nicht direkt zu finden, aber sie sind Neugier und Inspiration für mich.“

Arkos Werke verflechten Vergangenheit mit der heutigen Welt. Früher wurde die Reispflanze komplett genutzt. Reis wurde gegessen, das Stroh nach der Ernte getrocknet und anschließend zu Sandalen, Regenmänteln oder Taschen verarbeitet. Heute ist davon nicht mehr viel geblieben. Nur ein Neujahrbrauch in Japan erinnert daran. Dabei wird ein Tau aus Stroh über die Eingangstür gespannt, um Schutz vor Krankheiten oder dem Bösen zu gewinnen – ein sogenanntes Shimenawa.

„Mit Reisstroh zu arbeiten, gibt mir das Gefühl mit der Vergangenheit verbunden zu sein, während ich in Richtung Zukunft schaue. Ich möchte damit einen Bogen zu den Wurzeln der japanischen Menschen schlagen,“ meint Arko. Denn eins ist seit jeher gleichgeblieben: Reis ist früher wie heute das Hauptnahrungsmittel in Japan.

Strohkunst
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„Mit Reisstroh zu arbeiten, gibt mir das Gefühl mit der Vergangenheit verbunden zu sein, während ich in Richtung Zukunft schaue“, sagt Künstlerin Arko.

Kunst aus Stroh
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Ton trifft Stroh: Arkos Skulpturen rücken traditionelles Material in neuer Form ins Rampenlicht.

Inspiration für eine „bessere Welte“

Arko glaubt, dass der Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft durch bewussteren Umgang mit Verbrauchsmaterialien geschehen kann. Wir sollten versuchen nicht so viele Dinge wegzuwerfen. Doch muss es eine Balance geben. Wenn wir zu sehr versuchen auf scheinbar nicht Notwendiges zu verzichten, ginge das mit einem Verlust von Lebensfreude einher.

Mit ihrer Arbeit möchte Arko die Menschen inspirieren. Sie sollen sich darüber bewusst werden, was die Natur für Materialien und Formen bietet. Ressourcen, die schnell in unserer heutigen Gesellschaft übersehen werden. Auch wenn eine tatsächliche Nutzung des Strohs für Gebrauchsgegenstände heute größtenteils nicht mehr sinnvoll wäre, ist für Arko der symbolische Wert entscheidend: „Ich bin sehr glücklich über die jetzige Situation, in der es Leute gibt, die das verstehen und schätzen. Für mich ist das Schaffen eines Werkes ein Ausdruck meiner selbst und der Job die Grundlage, die mir das ermöglicht.“

Ihre Werke sind auf verschiedenen Ausstellungen weltweit zu finden, wie zum Beispiel in der Sarah Myerscough Gallery (London), der Amelie maison d’art (Paris), oder im Sotheby’s (New York).

3 Tipps: Nachhaltig ohne Verzicht

1. Leitungswasser eines der sichersten Lebensmittel

Würden alle Menschen in Deutschland nur Leitungswasser trinken, könnte anderthalbmal so viel CO2 eingespart werden als würde der gesamte innerdeutsche Flugverkehr eingestellt. Nichts wie los, denn: In Deutschland testen Wasserwerke Leitungswasser auf mehr als 50 physikalische und mikrobiologische Parameter – so gut wird kein Mineralwasser getestet, außerdem ist Leitungswasser mikroplastikfrei, anders als Sprudelwasser aus Plastikflaschen.

2. Stromsparen mit Minikraftwerk auf dem Balkon

Jeder kann heutzutage seinen eigenen Strom produzieren – per Balkon-Solaranlage. Bis zu 600 Watt Leistung dürfen Sie installieren, auch als Mieter. Achtung: unbedingt beim Energieversorger anmelden! Komplettpakete gibt es ab 400 Euro.

3. Essbare Trinkhalme

Statt aus Edelstahl oder abbaubaren Plastikalternativen Strohhalme nutzen, die auch noch schmecken: Etwa vom Münchener Startup „Wisefood“. Das junge Team nutzt Apfelfasern, die beim Apfelsaft-Machen übrigbleiben, um daraus Trinkhalme zu machen. In Unverpacktläden gibt es von diversen Herstellern auch Strohhalme aus Nudelteig: Nicht ganz so lecker, aber dennoch nachhaltig.

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