Foto Kasia Bielska

Zeitgeist

Blüten, für immer in Kunst gegossen

Foto Kasia Bielska

Wenn Künstler:innen sich mit der Natur auseinandersetzen: Marcin Rusak stammt aus einer Warschauer Familie von Blumengärtnern – und macht Pflanzen zum Mittelpunkt spektakulärer, lebendiger Designobjekte

Seit jeher drucken Menschen florale Muster auf Kleidung, Vorhänge, Tischdecken und Polstermöbel. Dem in Warschau lebenden und arbeitenden Künstler Marcin Rusak war das nicht genug: Er wollte die Natur selbst zur Dekoration machen. Dafür sammelt er Blütenabfälle auf Märkten oder in Blumenläden. Diese lässt er in schwarzes oder milchig-weißes Harz ein und fertigt daraus außergewöhnliche Möbel und Objekte, die an die Werke flämischer Maler:innen erinnern und auch immer etwas Mystisches haben.

Kunst aus Blumen

„Blumen landen bei uns schnell im Müll – ich wollte daraus etwas schaffen, das weiterlebt“

Marcin Rusak hat einen besonderen Bezug zu Pflanzen und Natur. Seine Vorfahren arbeiteten als Blumengärtner:innen in Warschau, Polen. „Ich wuchs inmitten von Gewächshäusern auf und erforschte die Umgebung mit ihrer trockenen, warmen Luft, der Erde, den Töpfen“, erzählt der 34-Jährige. Dabei erlebte er wie die Pflanzen erblühten und wieder starben. Dieser Prozess inspirierte ihn dazu, den Lebenslauf von Blumen in experimentellen Objekten und Installationen festzuhalten. Ihre Schönheit und zugleich die Vergänglichkeit faszinierten ihn. „Blumen werden von uns benutzt, um unsere kurzfristigen Bedürfnisse zu befriedigen, danach landen sie im Müll. Ich wollte etwas schaffen, das weiterlebt.“

Die Idee kam Marcin bei einem Besuch des berühmten Flower Markets in London, wo er seinen Master am Royal College of Art machte und auch vor fünf Jahren sein Studio eröffnete, das er  nach dem Brexit nach Warschau verlegte. Dort sah er wie unzählige Blumen nach dem Markttag im Abfall landeten. Er fing an diese verfaulenden Reste einzusammeln und mit ihnen zu experimentieren. „Ich nutze die Blüten aufgrund ihrer Formen und füge sie zu Kollagen zusammen, um zu schauen, wie sie zusammen wirken“, erzählt der Künstler. „Ich wähle die Reste mit dem höchsten skulpturalen Potenzial und den leuchtendsten Farben aus. Als würde ich eine Collage zusammenstellen oder die Palette für ein Gemälde.“ Die fertige Harz-Masse gießt er in Blöcke, die er später zerschneidet, oder direkt in Formen für seine Möbel und Skulpturen. Dafür arbeitet er mit Naturmaterialien, unterschiedlichen Kompositmaterialien sowie biologisch abbaubarem Plastik und kreiert daraus verschiedenste innovative Materialien aus denen in seinem Studio die unterschiedlichsten Kunswerke entstehen.

„Es braucht viele vergebliche Versuche, bis das Ergebnis stimmt“, erklärt Marcin Rusak. „Ich nehme einen Teil heraus oder verändere ihn und füge ihn in einen ganz andere Arbeit ein. In meinem Studie setze ich mich mit verschiedenen Aspekten von Vergänglichkeit, Konservierung von Verfall und implementiere die Ergebnisse in neue Materialien und Prozesse. Ich verhelfe den Pflanzen auf diese Weise zu neuem Leben und feiere ihre Schönheit.“

Mit Naturkunst Statements setzen

Mit seiner Kunst weist er auch auf die moderne Konsumgesellschaft und das zeitgenössische Verbraucherverhalten hin. „Die Leute halten mich für diesen romantischen Typ, der Blumen pflückt und sie in Möbeln verewigt, aber ich nutze sie vielmehr als Werkzeug, um über Themen zu reden, die mir wichtig sind.“

„Für mich sind Blüten ein Werkzeug, um über mir wichtige Themen zu reden“

Egal, ob Fast Fashion, Billigmöbel oder Plastikprodukte: Die meisten Gegenstände unseres Alltags haben heute nur noch eine sehr geringe Lebensdauer, landen häufig nach maximal einem Jahr im Müll. Schließlich kann man sich jederzeit etwas Neues billig im Internet bestellen. Dadurch hat das meiste, was wir unseren Nachkommen hinterlassen, keinen Wert mehr.

Nicht so die nachhaltigen Objekte von Marcin Rusak, die alle einzigartig sind und lebendig. Seine sich stetig verändernden Objekte wecken in uns das Bedürfnis, sie zu schützen und möglichst lange zu erhalten. Sie erinnern uns daran, dass wir der Vergänglichkeit hilflos ausgeliefert sind. Ganz egal, was wir unternehmen, um den Alterungsprozess aufzuhalten. Am Ende verliert jedes Lebewesen den Wettlauf gegen die Zeit. Rusak gelingt es mit seinen Kunstwerken zumindest eine Zeit lang auf Pause zu drücken – und das fasziniert Kunstfans auf der ganzen Welt.

Aktuell bereitet Marcin Rusak Ausstellungen in London und Paris vor, in Ljubljana zeigt er seine Werke in der Solo-Show „DNA of Things“, bis 2.10., als Teil der Design-Biennale 27BIO. Im vergangenen Jahr kreierte er „Flora Contemporaria“, eine limitierte Design-Edition für die Twenty First Gallery in New York für Design Miami 2021. Seine Natur-Objekte wurden weltweit mit Preisen ausgezeichnet.

Blüten, für immer in Kunst gegossen, Kunst mit natürlichen Materialien
Foto Mathijs Labadie

Blüten, die langsam verwelken: Marcin Rusak sammelt sie auf Märkten und macht daraus Kunst – und ungewöhnliche Möbel

LandArt: Blüten, für immer in Kunst gegossen, Kunst mit natürlichen Materialien
Foto Mathijs Labadie

Die Blüten werden in Harz eingebettet, und das hart gewordene Material wird dann zu Möbeln und Skulpturen verarbeitet

LandArt: Blüten, für immer in Kunst gegossen, Kunst mit natürlichen Materialien
Foto Mathijs Labadie

Vor der Vergänglichkeit bewahrt: Pflanzenreste, für die Ewigkeit festgehalten – und als nachhaltiges Symbol gegen die Schnelllebigkeit unserer Zeit

Blüten, für immer in Kunst gegossen, Kunst mit natürlichen Materialien
Foto Mathijs Labadie

Eins seiner typischen Werke: das Flora Cabinet, ein Sideboard mit Türen aus in Harz eingebundenen Blüten

Blüten, für immer in Kunst gegossen
Foto Kasia Bielska

Von seinen Vorfahren geprägt: Künstler Marcin Rusak wollte selbst kein Blumengärtner werden, war aber trotzdem von der Beschaffenheit von Blüten fasziniert

Naturkunst selbermachen

Natur sieht eigentlich immer gut aus. Wir zeigen dir vier Ideen, wie du diese Schönheit für deine DIY-Kunst-Projekte nutzen kannst.

Sich künstlerisch schaffend zu betätigen, macht nicht nur Spaß. Es erfüllt die eigenen vier Wände mit Farbe und hebt die Stimmung. Besonders an Regentagen sind eigene DIY-Kunst-Projekte eine willkommene Abwechslung zum Streaming-Abend. Sind die Ideen gesammelt und die Materialien parat, hast du sogar einen Grund, dich auf die dunklen Tage zu freuen.

Naturkunst-Idee 1: Der Tassen-Garten

Ein Blickfänger mit Wow-Potential. Nimm Erde, Mulch oder Sand und befülle damit eine Tasse. Schnappe dir nun Naturmaterialien deiner Wahl und baue eine Miniaturwelt. Äste werden jetzt zu Bäumen. Steine zu Bergen. Kleine Hölzchen zu Zäunen. Baue Tische und Stühle aus Kork oder lass eine Leiter von einem Ast herab.

Naturkunst-Idee 2: Wachs mal

Nutze die ersten Herbsttage, um bunte Blätter zu sammeln. Nimm anschließend Wachs und erhitze es auf maximal 60 Grad. Ziehe die Blätter durch das Wachs. Anschließend kannst du die Blätter zu einer Girlande aufhängen. Oder verschönere mit ihnen eine Lichterkette. Auch Rosen lassen sich auch mit Wachs überziehen und so haltbar machen.
Oder lieber umgekehrt? Klassische Kerzen kannst du auch verschönern, indem du Trockenblumen oder Gräser auf sie bügelst. Wichtig! Lege Backpapier drüber, um Wachs am Bügeleisen zu vermeiden.

Naturkunst-Idee 3: Ein Strauß voller Möglichkeiten

Sträuße aus Trockenblumen kennt jede:r. Probiere mal was Neues und nutze Weizen, Hagebutten oder Vogelbeeren. Der Strauß kann dann in die Vase. Alternativ bindest du ihn mit einer selbstgemachten Filzkordel zusammen und hängst den Strauß ans Fenster. Ein Strauß ist dir zu einfach? Dann besorge dir einen Messingring. Befestige die Trockenblumen, Gräser und Zweige mit Draht im Ring. Schon hast du einen großartigen Türschmuck kreiert.

Naturkunst-Idee 4: wie Pappmaché, nur schöner

Transparentpapier, Kleister, einen Luftballon und getrocknete Blumen: Mehr brauchst du nicht für diese Kunst-Projekt. Lege 3 Lagen Transparentpapier und Kleister um die Hälfte des Ballons. Dann lege die Blumen auf und sichere sie mit etwas Kleister. Wenn alles getrocknet ist, kann der Ballon platzen. Jetzt hast du entweder eine schöne Schale, Laterne oder Lampenschirm.

Naturkunst-Idee 5: Wandteppich aus Webrahmen

Hast du gerade einen alten Webrahmen übrig? Dann schnappe dir einen dicken Bindfaden oder Wolle und lege dir ein Gitter. Dann webe zum Beispiel langanhaltende Gräser, Eukalyptus, Mohn, Gitterkraut oder Efeu hinein. Um deinen Wandteppich noch aufregender zu gestalten, kannst Du zusätzlich Juteschnur oder Federn mit verweben. Entweder hängst du anschließend den Webrahmen direkt an die Wand, oder du nimmst den Teppich ab und ziehst durch die obere Lage einen Ast hindurch.

Naturkunst-Idee 6: Mit Physalis schmücken statt naschen

Die Physalis heißt auch Lampionblume. Denn mit ihnen kannst du ein tolles Stimmungslicht erzeugen. Dazu musst du die Früchte ein paar Tage trocknen. Dann kannst du sie entweder vorsichtig beim Stielansatz einschneiden oder diesen heraustrennen. Anschließend steckst du die Lampions auf die Lichter Deiner Lichterkette.

Naturkunst-Idee 7: Bilderrahmen und Vase in einem

Nimm einen alten Bilderrahmen und hinterlege ihnmit einer schönen Farbe. Schneide anschließend ein Stück Jurte in Vasenform. Klebe es auf die Rahmenoberfläche, so dass ein kleiner Beutel entsteht. Hier kannst Du dann farbige Gräser Deiner Wahl hineinstecken und nach Belieben wieder auswechseln. So bekommst du regelmäßig Abwechslung an die Wand.

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