Zeitgeist

Schmetterlinge: Mit Kunst die Welt verbessern

Ben Buechner ist gelungen, von dem viele träumen. Er hat eine neue Kunstform erfunden. Diese zog so viel Begeisterung auf sich, dass er heute davon leben kann. Doch das war nicht immer so.

Kunst aus Schmetterlingen

Von Weitem sieht es aus wie ein Frauenkörper, dessen Linien sich langsam im Wind auflösen. Kommt man näher, erkennt man, dass dieser sich aus vielen kleinen ausgeschnittenen Schmetterlingen zusammensetzt, die alle auf jeweils einer Nadel befestigt sind. Diese Technik bezeichnet Ben Buechner als cut-up-art. Buechner sagt: „Ich wollte das Modellieren mit Sprayen zu verbinden. Mit dieser Technik ist mir das endlich gelungen.“ Seine 3-D-Kunstwerke bestehen meist aus Schmetterlingen. Sie stehen für Metamorphose und Vergänglichkeit. Ob im freien Raum oder an der Wand – die Werke von Ben Buechner strahlen eine sensible Lebendigkeit aus.

Schmetterlinge tanzen und formen eine Tänzerin.

Eine Erdkugel aus Schmetterlingen.

Wie Büchner zu den Schmetterlingen kam

Buechner erzählt: „Der Weg zu dieser Art der Kunst war schwer und dauerte viele Jahre. Ich hatte schwierige Phasen. Manchmal habe ich auch gezweifelt und mich gefragt, ob der Weg als Künstler das Richtige für mich ist.“ Diese Phasen hielten nie lang an. Immer wieder spürte Büchner einen inneren Drang, weiterzuforschen und mit neuen Materialien zu experimentieren. Er wollte etwas schaffen, was noch nie da gewesen ist. Er wusste, dass ihm da niemand helfen kann. Viele seiner Versuche landeten erstmal in der Tonne. „Ich hatte zwar nicht viel Geld, aber ich wollte meine Arbeit trotzdem richtig gut machen. Darum habe ich immer mit den besten Materialien gearbeitet, auch wenn ich nicht wusste, ob es was bringt“, sagt er. In seinen dunklen Tagen fand er Kraft in der Natur. Den gebürtigen Berliner zog es schnell in ruhigere Ecken. So zog er erst nach Sylt, dann an den Bodensee. Heute wohnt er auf Mallorca. Für ihn steht fest: „Ohne die Natur und die vielen Sonnenstunden, hätte ich es nicht geschafft. In meinen schweren Phasen war ich nie der Typ, der Partys feiern geht oder Netflix schaut. Mir hat die Ruhe geholfen, zu mir zu kommen und neue Idee zu entwickeln.“ Die besten Ideen sind ihm dabei oft beim Joggen gekommen.

„Irgendwann hatte ich diese Technik gefunden und fühlte: Das ist es!“, erzählt er. „Ich erinnere mich noch, als ich die ersten Werke in einer Galerie abstellte. Sie waren noch nicht mal gehangen, da kamen schon die ersten Menschen in die Galerie und fragten, von wem diese Werke sind. Wenn ich heute daran denke, habe ich immer noch Gänsehaut. Ehrlich gesagt, habe ich mit so einem Erfolg nicht gerechnet, das hat mich ziemlich um.“ Buechner hat sein Ziel noch übertroffen, denn es gibt kaum jemanden, der nicht von seiner Arbeit begeistert ist. Kinder mögen es, weil es bunt ist und aus Schmetterlingen besteht. Menschen, mit wenig Draht zur Kunst, erkennen schon auf den ersten Blick, dass in seinen Werken Unmengen von Arbeit drinsteckt, und zollen ihm schon allein deswegen große Anerkennung.

Eine Luxus-Uhr mal anders – aus Schmetterlingen.

Bekannte Luxus-Ikone als Cut-Up-Art mit Graffiti in Szene gesetzt.

Chucks aus bunten Schmetterlingen.

Die Welt ist bunt – aus Schmetterlingen in unterschiedlichsten Farben.

Die Botschaft hinter der Schmetterlingskunst

Hinter seinen Werken steckt eine klare Botschaft. Ganz im Sinne einer nachhaltigen Gesellschaft – möchte er auf die oft mangelnde Wertschätzung unserer Ressourcen aufmerksam machen. Ihm ist bewusst, dass das nie über einen Zeigefinger oder Verbote funktionieren kann. Aus dem Grund hatte er den Antrieb etwas zu schaffen, das diese Kritik über Schönheit seiner Werke zeigt und einen Wow-Effekt besitzt. So, dass man daran hängen bleibt. Die Welt ist oft oberflächlich und schnelllebig. Viele können den Moment kaum genießen. Mit seiner Kunst möchte er die Menschen zum Umdenken anregen. So können sie selbst von der Raupe zu einem schönen Tier werden. Für ihn steht fest: „Als Künstler kann ich was in der Welt bewegen und habe somit eine Verantwortung. Wenn ich irgendwann am Ende meines Lebens bin, möchte ich stolz sein, auf das, was ich geschaffen habe. Das wird sich nie durch irgendeinen Luxusartikel für mich sichtbar sein, sondern, dass ich geholfen habe, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“

Heute ist er exklusiv unter Vertrag bei der renommierten Galerie Geuer & Geuer Art und arbeitet mit der UNESCO zusammen. Diese hatte ihn angefragt, ob er mit seiner Technik 20 Bauwerke in einer Größe von zwei bis drei Metern, wie die Freiheitsstatur, anfertigen möchte. Diese werden dann in einer Wanderausstellung weltweit auf Tour gehen. Ben Buechner hat es geschafft. Doch ist für ihn noch nicht alles erreicht. „Es ist wie eine Sucht noch mehr zu schaffen und das bisherige zu verstärken. Vermutlich gibt es dann irgendwann ein Limit, aber noch fühle ich das nicht“, sagt er. „Erst kürzlich saß ich im Flieger und wäre am liebsten sofort gelandet, da mir eine neue Idee kam, die ich ausprobieren wollte. Ich habe es kaum ausgehalten. Noch werde ich aber nichts verraten.“ Die Welt darf also gespannt bleiben.

Schmetterlinge in der Kunst
FOTO Getty Images

Schmetterlinge sind in der Kunst beliebte Motive – ob gefaltet oder gemalt.

Weitere Künstler:innen, die Schmetterlinge zu Kunst verwandeln

Damien Hirst

Für Damien ist die Kunst ein Spiegel der Realität. Schmetterlinge symbolisieren für ihn den Kreislauf des Lebens, des Wachstums und der Veränderung. Jedes Muster des Schmetterlings ist individuell – so wie jeder Mensch. Schmetterlinge sind nicht nur Protogonist auf seinen Druckausgaben, sondern auch auf seinen interaktiven Ausstellungen. In diesen wird der Besuchende Teil des Kunstwerks, statt nur passiver Beobachter. Für Damien ist Kunst dann bedeutend, wenn man sich an sie erinnert. Das ist nur möglich, wenn sie erlebt wird.

Anita Albus

Schmetterlinge sind für Anita die schönsten Lebewesen der Welt. Sie ist fasziniert von den Gesetzen der Natur und ihren Zusammenhängen. Besonders die Transformation von dem Ei zur Raupe zum Kokon und dann zum Schmetterling lässt sie staunen. Gerade weil die Entwicklung des Schmetterlings evolutionär wenig Sinn macht, sind diese Wesen für sie um erstaunlicher. Anita gelingt es schnöde Biologie in Poesie und ergreifende Malerei zu übersetzen.

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